Amerika in Hamburger Museen

 

Amerika gehört zu den wichtigen Sammlungsgebieten vieler Museen in Hamburg. Das Museum am Rothenbaum Kulturen und Künste der Welt (MARKK), früher Museum für Völkerkunde, lädt zu einer Reise von Grönland bis zum Süden des Kontinents ein. Grönland wird u. a. durch einen Eskimoanzug aus Fellen und Gegenstände aus dem Alltagsleben der Inuit repräsentiert, die aus einer der berüchtigten „Völkerschauen“ von Carl Hagenbeck aus dem Jahre 1878 stammen. Auch für Kinder sehr beeindruckend sind die vielen Masken, so zum Beispiel ein Donnervogel-Maskenanzug aus Kanada. Einige Objekte stammen aus der Sammlung des bekannten Kulturwissenschaftlers Aby Warburg.

 

Mittel- und Südamerika sind vor allem mit Figuren, Schmuck und Stoffen vertreten. Viele dieser Ausstellungsobjekte stammen aus den Sammlungen Hamburger Kaufleute, die sie aus Mexiko und Südamerika mitgebracht haben. Kaffeehändler und ein Forschungsreisender haben die umfangreiche Textilsammlung aus Guatemala zusammengetragen.

 

Im Museum für hamburgische Geschichte (Holstenwall 24) lädt vor allem die Schifffahrtsabteilung dazu ein, die Geschichte der Amerikaverbindungen der Stadt zu studieren. Ausgestellt sind zum Beispiel ein Modell und die Schiffsglocke der „Imperator“, des gigantischen Passagierdampfers, mit dem Hamburgs HAPAG die Engländer das Fürchten lehrte – und so ungewollt zu den Spannungen beitrug, die den Ausbruch des Ersten Weltkriegs begünstigten.

 

Das Altonaer Museum (Museumstraße 23) hat ist unter Seefahrtsfreunden vor allem durch seine Galionsfiguren bekannt, u. a. mit der Figur eines Indianers. Sehenswert für Amerika-Interessierte sind auch die vielen Schiffsmodelle und Darstellungen zum Walfang im Nordatlantik.

 

Im Internationalen Maritimen Museum Hamburg (Koreastraße 1) ist u. a. eine große Zahl von Modellen nordamerikanischer Schiffe ausgestellt. Zu den auffälligsten Objekten auf Deck 3 des Museums gehört ein Boot aus Binsenbündeln. Diese Boote schwimmen auf dem Titicacasee und werden dort für Transportaufgaben und Fischerei genutzt. Auf Deck 6 werden Schleusen des Panamakanals in einem Diorama präsentiert. Auf Deck 9 gilt es, das Diorama der „Fingers Pier“ von New York zu entdecken.

 

Der Stückgutfrachter „Cap San Diego“  liegt als seetüchtiges Museumsschiff an der Hamburger Überseebrücke. Das elegante Schiff wurde Anfang der 60er Jahre auf der Deutschen Werft in Hamburg gebaut und machte sich als „Weißer Schwan des Atlantiks“ einen Namen. Das mit knapp 10 000 BRT vermessene Schiff war so konstruiert, dass es alle Arten von Stück- und Massengütern transportieren konnte. Nach Südamerika transportierte die „Cap San Diego“ vor allem Industrieprodukte von Traktoren bis zu Arzneimitteln. Zurück ging die Reise mit Rohstoffen und Agrarprodukten wie Äpfel und argentinischem Fleisch.

 

Das Museumsschiff "Rickmer Rickmers“ liegt heute bei den Hamburger Landungsbrücken. Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte das Schiff zur letzten Generation von großen Seglern, die Fracht über die Ozeane transportierten. Sieben Mal segelte die „Rickmer Rickmers“ zunächst nach Philadelphia oder New York, um anschließend Kistenöl nach Japan zu bringen. Zurück gingen die Weltreisen mit Reis aus Thailand oder Burma. Später wurde das Schiff dafür eingesetzt, Kohle von Australien nach Chile zu bringen.

 

Die Viermastbark „Peking“ wird zur Zeit restauriert und wird als Museumsschiff beim neuen Hamburger Hafenmuseum auf dem Grasbrook zu besichtigen sein. Die „Peking“ ist eine der letzten „Flying P-Liner“ der Reederei F. Laeisz und wurde von 1912 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs für den Salpeterimport aus Chile eingesetzt.

 

Die Hamburger Kunsthalle (Glockengießerwall) verfügt in der Abteilung Moderne Kunst über eine Sammlung neuerer nordamerikanischer Kunst, darunter ein Porträt von Russell Means, einem prominenten Führer der oppositionellen Indianerbewegung in den USA von Andy Warhol.

 

Das Museum für Kunst und Gewerbe (Steintorwall 1) hat seit einigen Jahren einen prachtvollen Spiegelsaal, der aus dem Budge-Palais am Harvestehuder Weg stammt. Wo heute in der Musikhochschule unterrichtet wird, residierte Anfang des 20. Jahrhunderts Henry Budge. ein amerikanischer Bankier, der als Finanzgenie galt und einen kleinen Teil seines Vermögens in das Haus an der Außenalster investierte. Zu den Gästen der Bankiersfamilie gehörte der berühmter Sänger Caruso.

 

In den Abteilungen Jugendstil und Moderne Kunst zeigt das Museum für Kunst und Gewerbe, wie nordamerikanische Künstler das 20. Jahrhundert mit geprägt haben. Die karibische, mittel- und südamerikanische Malerei führt in Hamburgs Kunstwelt ein Schattendasein. Der Marginalisierung dieser Länder in der Weltwirtschaft entspricht dem geringen Interesse an ihrer Kunst.

 

Die Schiffsbegrüßungsanlage Willkomm Höft im Schulauer Fährhaus begrüßt und verabschiedet täglich mehr als 50 größere Schiffe aus aller Welt mit Flagge, Nationalhymne und einem Gruß in der Landessprache, darunter auch viele amerikanische Schiffe.

 

Bäume und andere Pflanzen aus Nordamerika wachsen im Botanischen Garten in Klein-Flottbek, sogar ein kleines Stück Prärie wurde in Hamburg gepflanzt. Wer mehr über die Pflanzenwelt fremder Länder erfahren möchte, ist nebenan in der botanischen Sammlung im Loki Schmidt Haus an der richtigen Adresse. Die Ausstellung zeigt Kulturpflanzen, also Pflanzen, die dem Menschen nützen. Etwa 20 000 solcher Pflanzen soll es geben, und so muss die Ausstellung sich damit begnügen, einige wichtige Pflanzen wie Kaffee, Kautschuk und die aus dem Hochland der Anden stammende Kartoffel vorzustellen.

 

Um die tropische Welt Mittel- und Südamerikas kennenzulernen, empfiehlt sich zusätzlich die Reise zu den Schaugewächshäusern in Planten un Blomen. Mangrovengehölze, Gummibäume und Orchideen lassen zu jeder Jahreszeit ahnen, wie schön der tropische Regenwald ist, der jedes Jahr rücksichtsloser zerstört wird.

 

Silber aus Mexiko, Minerale aus Steinbrüchen in Kanada und Bergkristalle aus Brasilien sind im Mineralogischen Museum der Universität Hamburg zu sehen (Grindelallee 48).

 

Die nicht-museale Begegnung mit der amerikanischen Tierwelt macht Hagenbeck möglich. Lamas, Chile-Flamingos, Nasenbären und Bisons gehören zu den zahlreichen Tieren aus Amerika im Tierpark und im Tropen-Aquarium. Neben den Tieren bewundern besonders Kinder einen echten Totempfahl, ein Geschenk aus Seattle.

 

Vom Frühjahr bis zum Herbst lädt der Garten der Schmetterlinge in Friedrichsruh  zu einem Besuch ein. In Glashäusern fliegen mehr als 30 Schmetterlingsarten an den Besuchern vorüber, darunter prächtige südamerikanische Schmetterlinge.

 

Wer ausgestopfte Tiere bevorzugt, ist im Zoologischen Museum (Bundesstraße 52) richtig. Besonders beeindruckend ist der gewaltige Schädel eines Narwales aus dem Nordatlantik. Viele Bewunderer hat auch der hoch aufgerichtete Grizzlybär aus dem Norden des amerikanischen Kontinents.

 

Wirklich exotisch wird es bei den nächsten Museen. In der Oevelgönner Seekiste  (Oevelgönne 63) hat Käppen Lührs allerlei gesammelt, was Seeleute aus der großen weiten Welt mitgebracht haben. Vom Schrumpfkopf bis zum Nebelhorn ist viel von dem zu bestaunen, was diese Welt in den letzten Jahrhunderten an Kultur und Kitsch hervorgebracht hat.

 

Als „Hamburger Weltausstellung des Trödels und der Raritäten“ wird Harrys Hafenbasar (Am Sandtorkai 66-68) in einem Museumsführer vorgestellt. Vom ausgestopften Eisbären bis zum perlmuttbesetzten Schreibtisch aus Chile ist hier alles anzuschauen und auch zu kaufen. Das meiste aus der reichen Sammlung von Harry Rosenberg stammt von Seeleuten aus aller Welt, die durch den Verkauf mitgebrachter Reiseandenken ihre spärliche Heuer aufgebessert haben.

 

Das Panoptikum (Spielbudenplatz 3) stellt seit mehr als 130 Jahren in Wachs die Größen der Welt- und Zeitgeschichte vor. Zu den amerikanischen Wachsfiguren gehören John F. Kennedy und Fidel Castro. Präsident Roosevelt sitzt mit Stalin und Churchill am Tisch in Jalta.

 

Das Schloss Ahrensburg am Rande von Hamburg ist deshalb für Amerika-Interessierte besuchenswert, weil hier der Kaufmann und dänische Schatzmeister Heinrich Carl Schimmelmann gewohnt hat, der sich durch den Sklavenhandel und Zuckerplantagen in der Karibik ein Vermögen erwarb. Bei den meisten Führungen durch das Schloss wurde früher allerdings oft verschwiegen, wie Schimmelmann zu seinem Reichtum kam. Das hat sich inzwischen geändert. Zu Fuß zu erreichen ist das Schloss von der S-Bahn-Station Ahrensburg aus in etwa 15 Minuten.

 

Die Barkassen zur Hafenrundfahrt „Von Schatzkisten und Pfeffersäcken - über Hamburgs Handel mit der 3. Welt“ legen am Anleger Vorsetzen (U-Bahn-Station Baumwall) ab. Bei dieser Hafenrundfahrt fehlen die professionellen Hafenerklärer, die mit Bruttoregistertonnen und mehr oder weniger gelungenen Scherzen die Hafenbesucher unterhalten. Stattdessen erklären Mitglieder der „Hafengruppe Hamburg - Dritte Welt“, was die anderen verschweigen. In einer Selbstdarstellung heißt es: „Unser Anliegen ist es, die Ungerechtigkeiten des Welthandels aufzuzeigen und warum Menschen aus Afrika, Asien oder Lateinamerika in die Festung Europa fliehen. Dafür fahren wir mit Ihnen durch den Hafen, organisieren Veranstaltungen und planen Aktionen.“ Während die Barkasse durch die malerische Speicherstadt und verschiedene Hafenbecken fährt, erfahren die Teilnehmenden viel über Bananen und Kaffee, über Migration und Rüstungsgeschäfte.

 

© Frank Kürschner-Pelkmann