Schweden - Hamburg

 

Der betagteste Schwede in Hamburg hat ein Alter von etwa 1,8 Milliarden Jahren. So alt ist jedenfalls der Granit, aus dem er besteht. Vor mehr als 320.000 Jahren machte sich der „Alte Schwede“, wie er seit einigen Jahren offiziell heißt, auf die Reise von Südschweden zum heutigen Hamburg. Das Eis der Elster-Eiszeit schob ihn dorthin, wo sich heute das Flussbett der Elbe befindet. Dort ruhte er ungestört, bis er im September 1999 bei Baggerarbeiten entdeckt und bei Övelgönne an den Elbstrand abgesetzt wurde. Er hat ein Gewicht von 217 Tonnen und ist damit der älteste und einer der größten Findling Deutschlands.

 

Sofort wurde er zur Attraktion für Spaziergänger an der Elbe und istunwiderstehlich für Graffitisprayer. Da er bei Elbbaggerarbeiten gefunden wurde, ist die „Hamburg Port Authority“ weiterhin für ihn zuständig und hat ihn mit einer speziellen Beschichtung versehen, um Graffiti rasch wieder entfernen zu können. Als Unbekannte ihn mit goldener Farbe bemalten, sorgte der Untergrund dafür, dass sie nur einige Wochen auf dem Stein haften blieb. Und auch wenn keine Fluchtgründe bekannt sind, wurde der „Alte Schwede“ rasch eingebürgert. Auf der offiziellen Website „hamburg.de“ (Link)  erfahren wir: „Am 6. Juni 2000 wurde er auf den Namen „Alter Schwede“ getauft und offiziell eingebürgert.“

 

Ab geht die Post nach Stockholm

 

 

Am 28. Juni 1620 war es soweit, der erste reitende Bote machte sich von Hamburg auf den Weg nach Stockholm und eröffnete damit eine der ersten internationalen Postverbindungen der Hansestadt. Es gab bereits Postverbindungen in verschiedene deutsche Städte und nach Amsterdam, sodass die Hamburg-Verbindung den Schweden die Kommunikation mit Mitteleuropa eröffnete. Für den wöchentlichen Posttransport von Hamburg nach Stockholm war in Hamburg der schwedische Resident (Konsul) verantwortlich, der Holländer Leenard van Sorgen. Der hatte bald seine Sorgen mit seinen schwedischen Auftraggebern. Er musste nämlich den Postmeister gleich für seine Dienste bezahlen, bekam das Geld aber nur mit großer Verzögerung aus Stockholm zurückerstattet. Um seinen Ärger zum Ausdruck zu bringen, ließ er im Sommer 1622 die Post nur noch einmal im Monat nach Stockholm befördern. Das wirkte - das ausstehende Geld aus Stockholm traf umgehend ein.

 

Allerdings gab es auch danach immer wieder Kontroversen um ausstehende Zahlungen und van Sorgen wurde 1625 als Postverantwortlicher abgelöst. Wie berechtigt seine Hartnäckigkeit ist, muss der Nachfolger schmerzlich feststellen, der eine hohe Summe nicht einbringbarer Forderungen abschreiben musste. Transportiert wurden lediglich etwa 200 Briefe im Jahr von Hamburg nach Stockholm, in der Gegenrichtung noch geringer. Entsprechend hoch sind die Gebühren für den Brieftransport. Aber für die Regierenden in Stockholm war eine rasche Verbindung nach Hamburg während des Dreißigjährigen Krieges wichtig, denn die Stadt beherbergte viele Konsulate und war ein wichtiger Knotenpunkt für die Informationsbeschaffung und diplomatische Verbindungen.

 

Gustaf-Adolfs-Kirche – ein Stück Heimat für Hamburgs Schwedinnen und Schweden

 

Ein schwedischer Seemannspastor betreute bereits von 1883 an Seeleute aus der Heimat im Hamburger Hafen. 1907 konnte eine eigene Kirche geweiht werden, die „Gustav-Adolfs-Kyrkan", ein Backsteinbau an der Ditmar-Koel-Straße nahe den Landungsbrücken. Eine Büste hält die Erinnerung an den Namensgeber der Kirche König Gustav Adolf wach, der im Dreißigjährigen Krieg mit seinen schwedischen Truppen erfolgreich auf protestantischer Seite kämpfte.

 

Zunächst wurden von der Kirche am Hafenrand aus vor allem Seeleute betreut. Anfangs ruderten die Seemannspastoren und ihre Helfer im Boot kreuz und quer durch den Hafen, um die schwedischen Seeleute auf ihren Schiffen zu besuchen. Aber von Beginn an war die Kirche auch das geistlichen Zentrum der Schwedinnen und Schweden in Norddeutschland.

 

Bei einer Volkszählung im Jahre 1885 stellte man fest, dass 1/5 aller Ausländer in Hamburg aus Schweden stammte. Vor allem als Zigarettenarbeiter, Dienstboten und Hausangestellte fanden sie in Hamburg Arbeit. Die meisten Schwedinnen und Schweden kehrten nach einigen Jahren in die Heimat zurück. Für sie und für all jene, die geblieben sind, ist die Gustaf-Adolfs-Kirche zum „Hafen“ in Hamburg geworden. Bis 1956 war auch die Schwedische Schule im Kirchengebäude untergebracht.

 

Im Gegensatz zu den allermeisten Gebäuden in Hafennähe überstand die Kirche die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs. Das Gebäude wurde zwar 1943 durch Bomben beschädigt, konnte aber bald nach dem Krieg repariert werden. Die Kirche und die mit ihr verbundene Schule waren wichtige Zentren der „Schwedenhilfe“ in den ersten schweren Jahren nach dem Krieg. Diese Hilfe ermöglichte es vielen Tausend Hamburgerinnen und Hamburgern, Kälte und Hunger zu überstehen. Besonders die Lehrerin Ragna Norström erwarb sich große Verdienste bei der Organisation der Versorgung von Hilfsbedürftigen mit Essen, Kleidung, Notunterkünften und anderem Überlebenswichtigem.

 

In der Nachbarschaft der Gustaf-Adolfs-Kirche entstanden auch die Seemannskirchen für Norweger, Dänen und Finnen. Sie alle kümmern sich um die Anliegen ihrer Volksgruppen in Hamburg, ebenso um durchreisende Touristen und Fernfahrer. Zugleich tragen sie zur kirchlichen und kulturellen Vielfalt in Hamburg bei, was Tausende von Hamburgern vor allem bei den traditionellen Weihnachtsbasaren zu schätzen wissen.

 

Es kommen allerdings seit Jahren immer weniger Seeleute zur Kirche, weil im Containerzeitalter die Liegezeiten sehr kurz sind und die Zahl schwedischer Seeleute, die nach Hamburg kommen, insgesamt zurückgegangen ist. 1996 wurde den veränderten Aufgaben und der Mitgliederstruktur der schwedischen Kirche in Hamburg Rechnung getragen und die Gustaf-Adolfs-Gemeinde gegründet. Alle wichtigen Entscheidungen treffen seither Mitgliederversammlung und Kirchenvorstand. Die Gemeinde gehört der „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hamburg“ an.

 

Seit 2001 kommt die Schwedische Auslandskirche lediglich noch für das Gehalt der Pastorin oder des Pastors in Hamburg auf. Alle anderen Kosten muss die Gemeinde selbst tragen. Die Einnahmen aus den Weihnachtsbasaren, die Mitgliedsbeiträge der Gemeindemitglieder, die Spenden und einige andere Einnahmen reichten aber bald nicht mehr aus, um die laufenden Kosten der Kirchengemeinde zu decken. Deshalb entschloss man sich 2012 zum Verkauf des Kirchengebäudes. Es erwies sich als Glücksfall, dass ein Gemeindemitglied die Kirche kaufte. Er hat der Gemeinde ihre Räumlichkeiten für die nächsten 25 Jahre zu günstigen Bedingungen vermietet. Der neue Eigentümer übernahm auch die Renovierung des Gebäudes. Es beherbergt inzwischen auch die Büros des schwedischen Honorarkonsulats.

 

Die nachfolgenden schwedischen Persönlichkeiten werden auf dieser Website mit Portäts vorgestellt:

 

Elsa Brändström

 

Christina von Schweden

 

Jenny Lind

Alfred Nobel

 

 

© Frank Kürschner-Pelkmann