Der „Schwedenbrand“ von 1713 zerstört Altona

 

Die Zerstörung Altonas und das Ende der Vorherrschaft Schwedens im Ostseeraum nahmen am gleichen Tag ihren Anfang, am 29. September 1712. Damals herrschte Krieg in Nordeuropa. Russische, dänische und sächsische Truppen standen im „Nordischen Krieg“ den Schweden gegenüber.

 

Die Gegner belagerten die damals schwedische Festung Stralsund und blockierten den Hafen. Deshalb brachte die schwedische Seite Verstärkungen nach Rügen, um von dort aus den Belagerungsring um Stralsund zu durchbrechen. Die schwedische Marine hatte bis zu diesem 29. September bereits die Truppen an Land gebracht, aber die Transportflotte wurde nun vor Rügen in ein Seegefecht mit dänischen Kriegsschiffen verwickelt, bei der ein Großteil der Transportschiffe zerstört oder gekapert wurde.

 

Damit erlitt der schwedische Feldzug gleich zu Beginn einen schweren Rückschlag, denn der Transport weiterer Truppen, Ausrüstung und Proviant gerieten ins Stocken. Der schwedische Feldmarschall Magnus Stenbock konnte trotzdem mit 14.000 Soldaten den Belagerungsring um Stralsund durchbrechen. Er ließ 2.000 Soldaten zur Verteidigung Stralsunds zurück und zog in das ebenfalls schwedisch kontrollierte Mecklenburg.

 

Neue Gefahr drohte dort durch zusätzliche dänische Truppen, die aus Holstein vordrangen und gezielt die Versorgung der schwedischen Truppen mit Lebensmitteln unterbinden wollten. Magnus Stenbock riskierte trotz seiner bereits deutlich geschwächten Streitmacht die offene Feldschlacht gegen die Dänen und besiegte sie am 19. Dezember 1712 bei Gadebusch – der letzte schwedische Erfolg in diesem Krieg.

 

Um die dänischen Truppen zu verfolgen und den überlegenen russischen und sächsischen Armeen auszuweichen, zogen die schwedischen Truppen nach Schleswig-Holstein, wobei sie ausbleibenden Nachschub an Lebensmitteln durch Plünderungen ausglichen. Stenbock machten einen Bogen um das neutrale und wehrhafte Hamburg und traf im Januar 1713 in Altona ein, damals mit etwa 12.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt im dänischen Königreich, der aber dennoch eine Stadtbefestigung fehlte.

 

Schwedische Truppen besetzen Altona

 

Beim Nahen der Schweden flüchteten die wohlhabenden und reichen Familien Altonas aus der Stadt und nahmen möglichst viel von ihren Besitztümern mit. Als Stenbock am 7. Januar 1713 in Altona einritt, war kein einziges Ratsmitglied mehr in der Stadt, sodass die Bewohner eine kleine unerfahrene Gruppe von Bürgern zusammenstellen musste, die die Eroberer begrüßten. Diese unerfahrenen Bürger begingen die Fehler, dem schwedischen Feldherrn zunächst keine standesgemäße Unterkunft anzubieten und die geforderte Verpflegung der Besatzungstruppen nur zögerlich bereitzustellen. Nach der Flucht der wohlhabenden und reichen Altonaer mit ihrem Vermögen sah sich die Altonaer Verhandlungsdelegation auch nicht in der Lage, die geforderte hohe Geldsumme zur Vermeidung einer Zerstörung der Stadt aufzubringen.

 

Magnus Stenbock war mittlerweile bekannt, dass dänische Truppen kurz vorher durch die schwedischen Gebiete südlich der Elbe gezogen und Stade zerstört hatten. Am 8. Januar 1713 ordnete er als Rache dafür und für das Verhalten der Altonaer an, die Stadt anzuzünden. Seine Soldaten zogen mit Fackeln von Haus zu Haus, und am nächsten Morgen waren fast alle Gebäude zerstört.

 

Die obdachlos gewordenen Altonaer flüchteten in das Grenzgebiet zu Hamburg, zum Hamburger Berg, dem heutigen St. Pauli. Sie mussten dort in eisiger Kälte ausharren und erleben, dass Hamburg seine Tore verschlossen hielt. Die Hamburger Obrigkeit wollte nicht in den Konflikt hineingezogen werden und fürchtete zudem, dass sich die gerade in der Stadt grassierende Pest durch die Aufnahme von Tausenden Flüchtlingen noch rascher ausbreiten könnte. Immerhin schickte Hamburg seine Feuerwehr nach Altona, ebenso Verpflegung für die obdachlos gewordenen Altonaer.

 

Die schwedische Niederlage und der Wiederaufbau Altonas

 

Nach dem Niederbrennen des unbefestigten Altonas sahen sich die Schweden mit dem Vorwurf konfrontiert, gegen das Kriegsrecht verstoßen zu haben. Stenbock zog mit seinen Truppen nach Tönning, wo sie von weit überlegenen feindlichen Einheiten eingeschlossen wurden. Alle Versuche, die Belagerung zu beenden und Richtung Mecklenburg auszubrechen, scheiterten, während die Versorgungslage immer schlechter wurde. Am 16. Mai 1713 mussten die Schweden kapitulieren. Magnus Stenbock wurde als Gefangener nach Kopenhagen gebracht, wo er 1717 in Festungshaft starb.

 

Die schwedische Vorherrschaft im Ostseeraum war mit der militärischen Niederlage im „Nordischen Krieg“ für immer beendet. Altona hingegen profitierte davon, dass die dänischen Herrscher alles daran setzten, die Stadt rasch und zudem prächtiger wieder aufzubauen. Altona erlebte tatsächlich nach der Katastrophe eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. An den „Schwedenbrand“ erinnert heute ein Gemälde von Ludwig Dettmann im Altonaer Rathaus.

 

© Frank Kürschner-Pelkmann