Ernst Schimmelmann: ein Verfechter der Aufklärung am Sklavenhandel beteiligt

 

Als er am 4. Dezember 1747 in Dresden geboren wurde, erwarb sein Vater gerade ein Vermögen und sollte bald zu einem der reichsten Männer Europas aufsteigen. Als er am 9. Februar 1831 in Kopenhagen starb, war das väterliche Vermögen bereits wieder zu einem großen Teil verloren gegangen und er selbst verarmt.

 

Ernst Heinrich Schimmelmann, meist Ernst Schimmelmann genannt, war der älteste Sohn von Heinrich Carl Schimmelmann. Dieser hatte als Heereslieferant, durch dubiose Währungsgeschäfte, den günstigen Erwerb dänischer Fabriken und vor allem durch Sklavenhandel und Sklavenausbeutung ein riesiges Vermögen angehäuft und zudem eine einflussreiche Position als Schatzmeister im dänischen Königreich erlangt.

 

Sein lukrativstes Geschäft: Er schickte Schiffe mit Gewehren, Schnaps und billigen Baumwollstoffen zu einem dänischen Fort in Westafrika. Dort wurden diese Waren gegen Sklaven eingetauscht, die die Schiffe anschließend in die dänische Karibikkolonie St. Thomas brachen, wo die Sklaven auf Schimmelmanns Zuckerplantagen unter unmenschlichen Bedingungen schuften mussten. Der Rohzucker wurde zurück nach Europa transportiert – transatlanischer Dreieckshandel des 18. Jahrhunderts in der Hand eines einzigen Unternehmers.

 

Ernst Schimmelmann wurde als ältester Sohn gründlich darauf vorbereitet, einmal die Leitung der Unternehmen der Familie zu übernehmen. So studierte er zwei Jahre lang Wirtschaftswissenschaften in der Schweiz. Aber nicht Wirtschaftstheorien begeisterten ihn dort, sondern die Schriften von John-Jacques Rousseau. Aus der Sicht des Vaters war dieser Studienaufenthalt daher ein Misserfolg, und er beschloss, seinen Sohn auf eine „grand tour“ zu schicken, eine Rundreise in verschiedene europäische Länder, wie sie in reichen Familien damals populär war. So sollte der Sohn internationale Erfahrungen sammeln und seinen Horizont erweitern.

 

Ernst Schimmelmann besuchte Großbritannien, Frankreich, die Niederlande und Schweden – und kam als gefestigter Anhänger der Aufklärung zurück nach Kopenhagen. Bei seinen ersten Führungsaufgaben im Familien“konzern“ und im dänischen Staat musste er erkennen, wie groß die Last war, im Schatten seines mächtigen Vaters zu stehen, von ihm beaufsichtigt zu werden und gleichzeitig humanistische Ziele zu verfolgen.

 

Erbe eines Imperiums, das auf Sklavenhandel und Sklaverei beruhte

 

Ernst Schimmelmann teilte die ungezügelte Gewinnsucht seines Vaters nicht, sondern wollte sich, beeinflusst von Rousseau und Kant, für eine humanere Welt einsetzen. Nach dem Tod seins Vater 1782 fand er sich aber an der Spitze einer großen Unternehmensgruppe wieder, deren wertvollster Besitz ausgerechnet die auf Sklavenarbeit beruhender Zuckerplantagen in der Karibik waren.

 

Er schrieb an seine Braut: „Ach, wären wir doch Vorsteher einer Gesellschaft, gegründet zum Wohle der Menschen! Könnten wir doch, statt Unruhe und Verderben in einen Teil der Welt zu bringen, um dadurch nur Habgier, Lug und Trug zu vermehren, uns vereint darum bemühen, dass einmal glücklichere Tage anbrechen, das wäre … eine Aufgabe, die unser würdig wäre.“

 

Ernst Schimmelmann war zwar der Haupterbe des väterlichen Vermögens, aber auch seine Geschwister wurden mit Schlössern, Gütern und Vermögenswerten bedacht. Das Eigentum am Schimmelmannsche „Konzern“ wurde also aufgeteilt, aber er sollte doch wirtschaftlich zusammengehalten werden. Einmal im Jahr sollte deshalb eine Generalversammlung der Erben die wesentlichen Unternehmensentscheidungen gemeinsam treffen.

 

Aber solche Vorkehrungen sorgten nicht dafür, die Familie und ihr Vermögen zusammenzuhalten. Christian Degn bemerkte in seinem Standardwerk „Die Schimmelmanns“ zu dieser Erbengeneration: „Manche Briefe der folgenden Monate und Jahre hinterlassen einen recht kläglichen Eindruck und bestätigen die bittere Erfahrung, dass sich unter Erben allzuoft Vermögen und Versagen zusammenfinden.“

 

In der Tradition seines Vaters wurde Ernst Schimmelmann Finanzminister Dänemarks und war dabei zunächst recht erfolgreich, sodass er wie sein Vater mit dem Elefantenorden ausgezeichnet wurde, dem höchsten dänischen Ritterorden. Aber die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechterten sich bald rapide. Die gravierenden geistigen Einschränkungen des Königs lösten eine Staatskrise aus, und Ernst Schimmelmann musste sich 1784 sogar an eine Art Putsch beteiligen, um wieder stabilere politische Verhältnisse herzustellen.

 

Weitere Probleme folgten. Das dänische Königreich wahrte in den napoleonischen Kriegen zunächst eine neutrale Position, stand aber nach einem britischen Überfall auf Kopenhagen im Jahre 1801 auf die Seite Napoleons. Die französische Niederlage hatte zur Folge, dass Dänemark in eine politische und wirtschaftliche Krise geriet und aus dem Kreis der führenden europäischen Mächte ausschied. 1813 musste sogar der Staatsbankrott erklärt werden. Die harten und unpopulären Maßnahmen Ernst Schimmelmanns zur Sanierung der Staatsfinanzen kosteten ihn den Posten des Finanzministers, zumal auch Freunde den Eindruck hatten, dass er mit seinen Aufgaben überfordert war. Er blieb aber in einflussreichen Positionen im Kabinett.

 

Der mühsame Weg zum Ende des Sklavenhandels

 

Die wirtschaftliche Krise Dänemarks hatten selbstverständlich auch negative Auswirkungen auf die Schimmelmannschen Unternehmen. Finanziell betrachtet wirkte sich zudem negativ das erfolgreiche Engagement Ernst Schimmelmanns für ein Ende des dänischen Sklavenhandels aus. Auf seine Initiative beschloss Dänemark als erste Kolonialmacht die Abschaffung des Sklavenhandels. Allerdings verhielt er sich bei der Umsetzung seiner guten Absichten so halbherzig, dass eine Schwarz-Weiß-Gegenüberstellung von Vater und Sohn sich verbietet.

 

Der Widerstand gegen ein Ende des Sklavenhandels kam von verschiedenen Seiten, und er war massiv. Die dänischen Kolonialbeamten und Kaufleute im Fort Christiansborg in Westafrika warnten vor wirtschaftlichen Nachteilen und einem baldigen Verlust des Stützpunktes. Auch die afrikanischen Verkäufer von Sklaven setzten sich vehement für eine Fortsetzung der lukrativen Geschäfte ein. Die Sklavenhändler und Sklavenhalter auf den dänischen Karibikinseln prophezeiten, die Plantagenwirtschaft werde ohne weitere Sklaven aus Afrika zusammenbrechen.

 

Auf der anderen Seite stand Ernst Schimmelmanns Freundeskreis, der die Gedanken der Aufklärung propagierte und nicht nur für ein Ende des Sklavenhandels, sondern sich auch für einen humanen Umgang mit den Schwarzen in der Karibik einsetzte. Manche Verwandte und Miterben Ernst Schimmelmanns hingegen fürchteten um ihre Gewinnanteile, wenn der Sklavenhandel beendet und angedachte Reformen im Umgang mit den Sklaven auf den Plantagen verwirklicht werden sollten. Sie prophezeiten zudem, dass die Schimmelmannschen Fabriken Schaden nehmen konnten, die jene Gewehre und andere Waren herstellten, die in Westafrika gegen Sklaven eingetauscht wurden, und die den Rohzucker aus der Karibik verarbeiteten.

 

Dazwischen stand Ernst Schimmelmann, der immer neue Kompromisse einging, die weder den humanistischen Ansprüchen gerecht wurden, noch einen Weg zu einer wirtschaftlich tragfähigen Zukunft des dänischen Übersee-Engagements nach dem Ende des Sklavenhandels eröffneten. Zu Recht stellt Christian Degn in seinem Standardwerk „Die Schimmelmanns“ über Ernst Schimmelmann fest: „Voller Widersprüche erscheint dieser Mensch …“

 

Zehn Jahre Übergang – ein vergeblicher Kompromissversuch

 

Ernst Schimmelmann setzte sich für eine Übergangsfrist von zehn Jahren bis zur endgültigen Abschaffung des Sklavenhandels ein. Das sollte einen geordneten Übergang ermöglichen und die Gegner seiner Pläne positiv stimmen. Er konnte den König hierfür gewinnen, und 1792 erließ dieser eine „Verordnung über den Negerhandel“. Schon vorher hatte es in England und Frankreich Initiativen für eine Beendigung des Sklavenhandels gegeben, die aber gescheitert waren. So wurde Dänemark die erste europäische Kolonialmacht, die ein Verbot erließ, wenn auch mit einer Übergangsfrist. Dies erreicht zu haben, bleibt ein Verdienst von Ernst Schimmelmann. Das dänische Verbot hat auch in England jene Kräfte gestärkt, die bald darauf auch dort ein Ende des Sklavenhandels durchsetzten.

 

Die Plantagenbesitzer erhielten während der Übergangsfrist staatliche Darlehen, um die Zeit zu nutzen, sich genügend Sklaven für die Zukunft zu sichern und dafür den Sklavenhandel vorübergehend sogar noch zu steigern. Vor allem sollten vermehrt Frauen in die Karibik verschleppt werden, um sicherzustellen, dass ihre zukünftigen Kinder den Arbeitskräftebedarf der Plantagen decken würden.

 

Auch die Schimmelmannschen Plantagen profitierten von den staatlichen Geldern, was natürlich in der dänischen Öffentlichkeit nicht unbemerkt blieb. Hatte sein Vater mit großem Geschick die staatlichen Interessen, die er als Schatzmeister zu wahren hatte, mit seinen privaten Gewinninteressen verbunden, so gelang dies dem Sohn nicht mehr. Das lag nicht nur in seiner Persönlichkeit begründet, sondern auch darin, dass in Zeiten des wirtschaftlichen Niedergangs sehr viel kritischer beobachtet wurde, ob der Finanzminister gesetzliche Bestimmungen durchsetzte, die zum Transfer staatlicher Gelder zu dessen eigene Unternehmen führten. Handelte es sich bei solchen Regelungen um eine lukrative Humanität, wie die Kritiker behaupteten?

 

Ernst Schimmelmann nahm nicht nur staatliche Gelder in Anspruch, sondern investierte zusätzlich eigenes Geld, um genügend Sklaven zu beschaffen, bevor das Verbot in Kraft treten würde. Ein Argument lautete, dass man mehr Sklaven benötigte, wenn man die Arbeitslast der einzelnen Sklaven vermindern wollte. Tatsächlich kam es aber bald zu einem Arbeitskräftemangel auf den Plantagen, die die Produktion und den Gewinn schrumpfen ließen.

 

Ernst Schimmelmann in Kopenhagen drang darauf, die Sklaven auf den eigenen Plantagen in der Karibik besser als bisher zu behandeln und Reformen durchzusetzen. Die Plantagenverwalter warnten vor einer Besserstellung der Sklaven und vor – aus ihrer Sicht – abwegigen Gedanken wie dem Schulunterricht für Sklavenkinder. Schimmelmanns Vorstellung, die Sklaven an den Gewinnen der Plantagen zu beteiligen war in den Augen der Plantagenverwalter und -aufseher nicht revolutionär, sondern völlig weltfremd. Prämien statt Prügel, das stieß auf erbitterten Widerstand und wurde erfolgreich hintertrieben. Und: Schimmelmann war darauf angewiesen, dass sein europäisches Personal in der Karibik nicht resignierte und kündigte. Neue Verwalter und Inspektoren waren schwer zu finden, und schon die hohe Sterblichkeit unter den Europäern in den Tropen schreckte viele ab.

 

Ernst Schimmelmann erteilte angesichts des Widerstandes seiner Vertreter vor Ort keine Befehle zu Veränderungen, sondern nur Anregungen und Prüfungsaufträge – und man ahnt, was daraus geworden ist. Die allenfalls halbherzigen Maßnahmen, die tatsächlich umgesetzt wurden, blieben weit hinter den Erwartungen zurück, die bei den Sklaven entstanden waren.

 

1795 konnte Ernst Schimmelmann zwei französische Emigranten anstellen, die nach Norddeutschland geflüchtet waren. Sie waren bereit, Reformen durchzusetzen, aber schon ihre Ankunft stand unter einem ungünstigen Stern, wie Christian Degn in seinem „Schimmelmann“-Buch schreibt: „Als höchst unglücklich für die beiden Fremden selbst, aber auch für die Pläne zugunsten der Neger erwies es sich, dass die humanen edlen Absichten allzu früh dort drüben bekannt geworden waren. So erwarteten die Neger in den Ankömmlingen ihre Befreier, während die Weißen sie als französische Revolutionäre beargwöhnten, deren Ideen die ganze Insel in Brand stecken würden.“

 

Beide Erwartungen erfüllten sich nicht, und die beiden Franzosen waren zunächst einmal vollauf damit beschäftigt, den Plantagenbetrieb trotz akutem Arbeitskräftemangel am Laufen zu halten. Am Ende scheiterten sie tragisch. Einer von ihnen starb in der Karibik, der andere kehrte völlig desillusioniert nach Dänemark zurück.

 

Die Unzufriedenheit und die „Aufsässigkeit“ der Sklaven nahmen derweil weiter zu. Zudem hatte Ernst Schimmelmann seine Überlegungen zur Beendigung der Sklaverei zurückgestellt. Schrittweise sollten sie die Freiheit erhalten, hatte er zunächst angekündigt, aber diese Schritte blieben aus. Die Sklaverei auf den dänischen Inseln in der Karibik wurde dann tatsächlich erst 1848 abgeschafft, 17 Jahre nach dem Tod des Aufklärers Schimmelmann.

 

Halbherzige Reformen verursachen wirtschaftliche Probleme

 

Mit dem Verbot des Sklavenhandels kam der finanziell lukrative transatlantische Dreieckshandel der Schimmelmanns zum Erliegen. Bei der Frage Gewinn oder Gewissen hatte Ernst Schimmelmann sich entschlossen, seinem Gewissen zu folgen. Auch wenn er immer wieder zögerlich vorging, zerstörte er mit dem Verbot unvermeidlich auch eine wichtige Grundlage des wirtschaftlichen Erfolgs des Familienkonzerns.

 

Zudem ging in der Übergangszeit von zehn Jahren auf den Plantagen Schimmelmanns (wie auch auf anderen Plantagen) vieles schief, angefangen damit, dass zu dieser Zeit das Angebot an Sklaven in Westafrika gering war und eine Ausweitung des Sklavenhandels gar nicht möglich wurde. Die Verknappung der Zahl der auf den dänischen Inseln ankommenden Sklaven und gleichzeitig vermehrte Finanzmittel zu deren Erwerb durch staatliche Subventionen resultierten in einer Erhöhung des Preises für Sklaven.

 

Deshalb hatten nicht einmal die Plantagenbesitzer wie die Schimmelmanns viel von den staatlichen Krediten, aber wegen des Niedergangs der Plantagenwirtschaft große Mühe, die Kredite zurückzuzahlen. Viele Kredite wurden nie getilgt.

 

Als während der napoleonischen Kriege1801 eine britische Flotte vor St. Thomas erschien, blieb den wenigen Dänen auf der Insel nur die Kapitulation. Als die Engländer wieder abzogen, war die Zehnjahresfrist für einen Übergang zu einer Plantagenwirtschaft ohne Sklavenhandel fast verstrichen.

 

Der Sklavenhandel ging auch danach weiter, wenn auch ohne dänische Beteiligung. Der Hafen von St. Thomas blieb ein wichtiger Anlauf- und Verkaufspunkt für die Sklavenschiffe anderer Kolonialmächte in der Karibik. Es wurde den dänischen Plantagenbesitzern ausdrücklich erlaubt, Sklaven von Schiffen fremder Nationen zu erwerben – wieder ein Zeichen für die halbherzige Politik. Erst nachdem 1807 auch Großbritannien den Sklavenhandel verboten hatte, kam dieser in der Karibik ganz allmählich zum Erliegen.

 

Der Zusammenbruch des transatlantischen Dreieckshandels und die Misere der karibischen Plantagen führten schon zu Lebzeiten Ernst Schimmelmanns dazu, dass der Familien“konzern“ immer kleiner wurde und schließlich zerfiel. Davon waren auch einige Reeder in Hamburg und Altona betroffen, die für die Schimmelmanns gefahren waren, ebenso die Textilfabriken in Wandsbek. Das „Negertuch“, billige Baumwollstoffe, die in Westafrika gegen Sklaven getauscht wurden, war nun nicht mehr gefragt.

 

Hinzu kam, dass Ernst Schimmelmann sich gemeinsam mit anderen erfolgreich für ein Ende der Leibeigenschaft im Königreich Dänemark einsetzte. Dies brachte grundlegende Verbesserungen für das Leben der Bauernfamilien und ermöglichte zugleich einen Aufschwung der Landwirtschaft. Kurzfristig hatte diese Reform aber negative Auswirkungen auf die Güter der Familie Schimmelmann.

 

Dass sich die dänische Wirtschaftskrise durch die napoleonischen Kriege und die Kontinentalsperre verschärfte, traf sowohl die Güter als auch die Schimmelmannschen Gewehr- und die Zuckerfabrik hart. Ernst Schimmelmanns finanzielle Situation wurde immer prekärer. Das blieb den Banken nicht unbekannt, und sie zögerten, weitere Kredite zur Verfügung zu stellen. Ernst Schimmelmann sah sich 1827 gezwungen, wegen Zahlungsunfähigkeit eine Art Offenbarungseid zu leisten.

 

Die Schimmelmanns förderten Schiller und ebenso das kulturelle Leben in Kopenhagen  

 

Dieses Porträt wäre sträflich unvollständig, ohne das kulturelle Engagement von Charlotte und Ernst Schimmelmann zu erwähnen. Nachdem seine erste Frau 1780 an Tuberkulose gestorben war, heiratete Ernst Schimmelmann zwei Jahre später erneut. Seine zweite Frau Charlotte und er pflegten intensive Verbindungen zu Gelehrten und Dichtern. In Erinnerung geblieben ist, dass sie gemeinsam mit Freunden den 1791 ernsthaft erkrankten Friedrich Schiller fünf Jahre lang mit einem großzügigen Stipendium unterstützten und es ihm so ermöglichten, sich finanziell sorgenfrei zu erholen. Der Dichter widmete eines seiner Bücher dem Mäzen und gab seinem zweiten Sohn den Namen Ernst.

 

Charlotte Schimmelmann unterhielt in Kopenhagen einen Salon, in dem die literarischen und geistigen Größen Dänemarks sich ein Stelldichein gaben. Auch Diplomaten und hohe Regierungsbeamte kamen gern zu den Gesprächsrunden zu wissenschaftlichen, politischen und kulturellen Themen, geprägt von den Gedanken der Aufklärung und einem „aristokratischen Humanismus“. Auch durch musikalische Aufführungen erlangte der Salon große Anerkennung in der dänischen Hauptstadt. Charlotte Schimmelmann stand außerdem viele Jahre in regem Briefkontakt mit Charlotte Schiller.

 

Ernst Schimmelmann und seine beiden Frauen haben in der St. Petri-Kirche der deutschsprachigen evangelisch-lutherischen Gemeinde ihre letzte Ruhe gefunden. Im Ahrensburger Schloss hängen ein Jugend- und ein Altenbildnis von Ernst Schimmelmann. Auch ein Gemälde seiner Frau Charlotte ist hier zu finden.

 

Da Ernst Schimmelmann weder das Wandsbeker noch das Ahrensburger Schloss geerbt hatte, ist hier die Spurensuche vergeblich, abgesehen von den erwähnten Gemälden in Ahrensburg. Aber bei genauer Betrachtung gibt es doch „indirekte“ Spuren. Dass der Schimmelmann-„Konzern“, den Ernst Schimmelmann leitete, nicht mehr florierte, hatte auch zur Folge, dass die Verwandten, die diese Schlösser plus einen Gewinnanteil geerbt hatten, bald vergeblich auf hohe Zahlungen aus Kopenhagen warteten. Es gab auch andere Gründe für ihre Verarmung, aber der wirtschaftliche Niedergang der Unternehmen hat wesentlich dazu beigetragen, dass erst das Wandsbeker Schloss und später auch das Ahrensburger Schloss veräußert werden mussten.

 

Ist Ernst Schimmelmann an der Spitze eines internationalen Familienkonzerns, als Finanzminister und als Reformer gescheitert? Christian Degn zog in seinem Buch über die Schimmelmanns diese Bilanz: „Er wollte niemanden etwas aufzwingen, er wollte, ganz ein Kind des aufklärerischen Zeitalters, die Menschen zur Einsicht in das Gute und damit zur guten Tat aus freien Stücken bringen. Er glaubte trotz aller Enttäuschungen an das Gute im Menschen.“

 

© Frank Kürschner-Pelkmann