Themenschwerpunkt Maria

 

Zur Jesus-Mutter ist mit dem jüdischen Religionswis­sen­schaftler Pinchas Lapide festzustellen, dass sie „eine durch und durch jüdische Tochter, Frau und Mutter“ war. In einem Brief an Maria fährt Pinchas Lapide fort: „Diese schlichte Tatsache passt vielen Deiner Verehrer gar nicht in den Kram, Du sollst aus demselben Volk stammen wie etwa die beiden soge­nannten Schächer an den Kreuzen zu Seiten Deines Sohnes? Oder gar eine Volksgenossin von Judas Iskariot sein? … Lass mich doch einmal ohne Umschweife feststellen: Ich bin stolz auf Dich und Deine jüdischen Zeitgenossinnen in Jerusalem und ganz Galiläa, die tapfer ‚ihren Mann’ gestanden haben, in schweren Zeiten der Unterdrückung der Juden durch die Römer.“[1]

 

Maria oder Miriam, wie ihr jüdischer Name lautete, hat in den Weihnachtsgeschichten einen hervorgehobenen Platz, aber wir erfahren wenig über ihre Biografie, und was wir über sie in den Evangelien erfahren, lässt sich nicht einfach zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Gerade das hat die Möglichkeit eröffnet, sich immer neu und manchmal auf eine ganz überraschende Weise mit dieser Frau zu verbinden. Die Gemälde, Geschichten und theologischen Beiträge über Maria sagen allerdings häufig mehr über diejenigen, die diese Bilder malten und diese Texte verfassten als über die Jesus-Mutter. Wer war Maria und welche Bedeutung hat sie heute für uns? Das wurde in der Geschichte der Kirchen immer wieder kontrovers und heftig debattiert, und noch vor einigen Jahren wurde ein srilankischer Theologe aufgrund seines Maria-Buches exkommuniziert.

 

Deshalb wird hier Maria ein Themenschwerpunkt gewidmet und empfehle die Beiträge zur Lektüre.

 

© Frank Kürschner-Pelkmann

 

 

 



[1] Pinchas Lapide: Liebe Maria, Publik-Forum, 21/96, S. 54