Jüdische Antworten auf die römische Herrschaft

 

Jesus wuchs in einer jüdischen Gemeinschaft auf, die immer stärker von der antiken „Globalisierung“ beeinflusst wurde, und dies auch religiös. Der wachsende Einfluss der globalen Macht Rom, der mit einer ökonomischen Durchdringung Palästinas und einer raschen Verstädterung verbunden war, schuf nicht nur einen sozialen, sondern auch einen religiösen Anpassungsdruck. Deshalb wurde der religiös begründete Widerstand gegen die Römer von dem Bestreben getragen, die eigene religiöse und kulturelle Identität gegen den „Modernisierungsdruck“ zu wah­­­r­en. Es gab in der Kindheit und Jugend Jesu einen im Glauben verwurzelten brei­ten Widerstand gegen die römischen Herrscher und ihre lokalen Vertreter. Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus beschrieb die Menschen in Galiläa als Menschen, die in „unüberwindlicher Freiheitsliebe … Gott allein als Herrn und König an­erkennen“.[1]

 

Jesus wuchs in einer multikulturellen und multireligiösen Umgebung auf. Er sprach mit seinen Eltern und Nachbarn Aramäisch, in seiner Umwelt sprachen die Repräsentanten der politischen Macht Griechisch und im Tempel sprachen die Juden Hebräisch. Latein wurde im kleinen Dorf Nazareth und der unmittelbaren Umgebung wohl nicht gesprochen, weil durch die indirekte Herrschaft in Galiläa keine römischen Beamten oder Soldaten in das kleine Dorf gekommen sein dürften.

 

Die globale Macht war daher nur in geringem Umfang in einem abgelegenen Dorf wie Nazareth präsent, aber deren politischer, ökonomischer und kultureller Einfluss erreichte auch das „letzte Dorf“ in Galiläa.[2] Das Festhalten am jüdischen Glauben auch oder gerade angesichts des einflussreichen Hellenismus zeigte sich auch darin, dass die mühevollen Wallfahrten nach Jerusalem trotz der Widrigkeiten des Reisens durch das Gebiet der oft feindselig eingestellten Samariter oder durch die Wüste zum festen Jahresablauf vieler Familien gehörten.[3] Auch in einem teilweise nichtjüdischen Umfeld hielten die meisten Familien an der jüdischen Fröm­migkeit und der Tora fest. Wie in den jüdischen Gemeinschaften in der weiter entfernten Diaspora wurden auch in Galiläa die Synagogen zu lokalen Zentren des Glaubens. Diese Synagogen entstanden etwa ab dem 2. Jahrhundert vor Christus zunächst in der Diaspora; nachgewiesen ist eine Synagoge auf der griechischen Insel Delos aus der Zeit um 100 v. Chr. Der Bibelwissenschaftler Willibald Bösen schreibt über die Entstehung dieser religiösen Orte: „Alle literarischen und archäologischen Spuren weisen über Palästina hinaus in die Diaspora, in der Diaspora wird man daher wohl auch den Ursprung der Synagoge suchen müssen.“[4] In der Apostelgeschichte und den Briefen des Neuen Testaments werden Synagogen in der Diaspora häufig als die ersten Orte beschrieben, wohin Paulus sich wandte, wenn er neu in eine Stadt kam. In der Synagoge verkündete er die Botschaft des Evangeliums von Jesus Christus und erntete für seine Botschaft neben Zustimmung auch viel Widerspruch.

 

In Galiläa, wo die Juden zu Lebzeiten Jesu besonders in den ländlichen Gebieten die Mehrheit der Bevölkerung stellten, bildeten die Synagogen den Mittelpunkt des religiösen und kulturellen Lebens. Auch das Dorf Nazareth besaß nach einem Bericht von Markus eine Synagoge, in der Jesus predigte – und auf Widerstand stieß, woraus die Einsicht erwuchs, dass der Prophet am eigenen Ort nicht viel gilt (vgl. Markus 6,2ff.). Bei allen Zweifeln im Blick auf Ortsangaben in den vier Evangelien des Neuen Testaments lässt sich doch mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass Je­sus in der Zeit seines öffentlichen Wirkens Ansprachen in Synagogen gehalten und dort religiöse Gespräche geführt hat. Es ist allerdings hinzuzufügen, dass er auch auf Plätzen, an Berghängen und in Privathäusern gepredigt hat, seine Verkündigung daher nicht auf die Synagogen und vermutlich auch den Tempel in Jerusalem beschränkt war. Dennoch sind Synagogen in Galiläa und besonders in Kapernaum von großer Bedeutung in seiner Verkündigungstätigkeit gewesen, und es waren allerdings zu­gleich die Orte, wo er sich auch in besonderem Maße Kritik und Anfeindungen aus­gesetzt sah.[5]

 

Wir müssen uns bewusst sein, dass Jesus in einer Zeit öffentlich wirkte, als es eine ganze Reihe von Wanderpredigern und radikalen jüdischen Bewegungen gab, die die Erneuerung des Glaubens und einen religiösen und gesellschaftlichen Neuanfang verkündeten. Die politischen Katastrophen, vor allem die Niederlagen gegen die Römer und ihre Verbündeten, bestärkten viele Jüdinnen und Juden in der Überzeugung, dass das Ende der Welt und die Errichtung der endgültigen Herrschaft Gottes nahe herbeigekommen waren. Nach diesen apokalyptischen Vorstel­lungen, die damals im jüdischen Volk weit verbreitet waren, sollte die vom Bösen regierte Welt durch die künftige, von Gott beherrschte Welt ersetzt werden. Jetzt war die Treue zu Gott in der Erwartung seines bevorstehenden Sieges mehr denn je geboten. Bewegungen wie die von Johannes dem Täufer und von Jesus von Naza­reth standen in dieser Tradition, ohne sie ganz zu übernehmen. Hier sei angemerkt, dass die Vorstellung, dass die gerade bestehende Welt eine Welt des Bösen ist, viele Jahrhunderte lang auch christliche Vorstellungen stark beeinflusst hat und bis heute die Theologie vieler Kirchen prägt, mit zum Teil fragwürdigen Konsequenzen beim Thema Enga­ge­ments zur Verbesserung des Lebens in dieser Welt.

 

An dieser Stelle soll ein Blick auf die religiösen Bewegungen im Judentum geworfen werden, die Jesus von Kindheit an beeinflusst haben. Mit Gerd Theißen und Annette Merz, den Verfassern des Standardwerks „Der historische Je­sus“, können wir schon an dieser Stelle feststellen: „Jesus steht im Mittelpunkt einer dieser innerjüdischen Erneuerungsbewegungen. Alle diese Bewegungen gehen letzt­lich auf die Herausforderung des Judentums durch die hellenistische Kultur zurück.“[6]

 

Die Sadduzäer

 

Die religiöse Gruppe der Sadduzäer (Hebräisch: „die Gerechten“) wurde von den Priesterfamilien und anderen Angehörigen der Oberschicht bestimmt, für die der Tempel von Jerusalem das exklusive Zentrum allen religiösen Lebens bildete. Die Bewahrung dieses Tempels und der mit ihm verbundenen Institutionen und Ritu­ale auch in Zeiten des Umbruchs waren für sie von entscheidender Bedeutung. In Fragen des Gesetzes vertraten die Sadduzäer eine – würden wir heute sagen – etwas liberalere Position als die Pharisäer. Den Sadduzäern ging es um eine zeitgemäße Glaubenspraxis, zu der durchaus auch die Übernahme einiger hellenistischer Vorstel­lungen gehören konnte, wenn diese der Tora nicht widersprachen. Sie verfochten aber einen strengen Monotheismus, in dem auch für gute und böse Geister kein Platz war. In ihrem Lebensstil unterschieden sich die Sadduzäer deutlich von den oft asketisch geprägten jüdischen Erneuerungsbewegungen ihrer Zeit. Da­zu schrei­ben der Religionswissenschaftler Walter Saller und der Wissenschaftsjournalist An­dreas Sedlmair in einem gemeinsamen Aufsatz: „Die Sadduzäer kleiden sich elegant und aristokratisch, sie sind weltläufig, mehrsprachig, und ihr luxur­iöser Lebensstil ist hellenistisch geprägt. Sie verzieren ihre Häuser – entgegen den Weisungen der Tora – mit bildlichen Darstellungen und Wandschmuck und las­sen ihre Söhne in griechischer Philosophie unterrichten. Manche von ihnen tragen neben ihrem jüdischen auch einen griechischen Namen.“[7]

 

Ihre Vertreter in der Priesterschaft in Jerusalem waren zur Zusammenarbeit mit den politisch Mächtigen gezwungen, wollten sie den Tempel selbst und die Religionsausübung im Tempel bewahren. Das brachte die Sadduzäer, zeigte sich auch am Konflikt mit Jesus, immer wieder in schwierige Situationen. Ihr Einfluss in Judäa und besonders in Jerusalem war aber nach der Absetzung des Herodessohnes Herodes Archelaos 6 n. Chr. weiterhin beträchtlich, weil die römischen Statthalter, die nun das Gebiet regierten, den lokalen religiösen Autoritäten einen erheblichen Einfluss zubilligten – vorausgesetzt, dass sie loyal gegenüber Rom waren und keine Unru­hen auslösten.[8]

 

Schließlich waren es aber dann gerade die Sadduzäer, die 66 n. Chr. den Volksaufstand gegen die Römer mit auslösten, weil sie beschlossen, keine Opfer von Nichtjuden für den Tempel mehr anzunehmen, also auch nicht die Gelder, die der römische Kaiser für den Tempel sandte. Das wurde als eine Kriegserklärung an Rom verstanden.[9] Nach der Zerstörung des Tempels im Jahre 70, sei abschließend erwähnt, verloren die Sadduzäer ihren Einfluss.

 

Die Pharisäer

 

Eine weitere bedeutende jüdische Bewegung, die eine Antwort auf die zum Teil katastrophalen Folgen der römischen Herrschaft für die große Mehrheit der Menschen in Palästina suchte, waren die Pharisäer („die Abgesonderten“). Sie werden im Neuen Testament häufig negativ dargestellt, tatsächlich bildeten sie aber eine Reformbewegung innerhalb des Judentums, die durchaus positive Ziele und auf vielen Gebieten auch eine positive Wirkung hatte. Es war eine Laienbewegung, die sich vermutlich aus Angehörigen der Mittelschicht zusammensetzte und die dafür eintrat, nach dem Gesetz zu leben und die überlieferten Reinheitsvorschriften einzuhalten. Die Pharisäer pflegten einen einfachen Lebensstil. Sie waren offen dafür, über eine zeit­gemäße Auslegung der Tora zu debattieren[10] und taten dies zum Beispiel mit dem Wanderprediger Jesus. Anders als die Sekte in Qumran sprachen sich die Pharisäer zum Beispiel dafür aus, lebensrettende Maßnahmen auch am Sabbat zuzulassen.

 

Während die Frauen im Tempel in Jerusalem an den Rand gedrängt blieben, eröffnete ihnen das pharisäische Judentum neue Verantwortungsbereiche und Entfaltungsmöglichkeiten. Die Einhaltung vieler Vorschriften für die rituelle Reinheit, besonders für die Zubereitung der Speisen, lag (und liegt) in der Verantwortung der Frauen. Allerdings blieb der Makel der vermeintlichen Unreinheit in der Zeit der Menstruation, sodass Frauen in diesen Zeiten viele Aufgaben nicht überneh­men konnten.[11]

 

Die Antwort der Pharisäer auf den umfassenden Herrschaftsanspruch des Römischen Reiches bestand darin, auf das individuelle Heil zu hoffen, die Weisungen Gottes zu befolgen und ihre Wirtschaftsbeziehungen möglichst mit anderen Pha­risäern abzuwickeln.[12] Die Pharisäer bildeten aber keine exklusiven Gemeinschaften innerhalb der jüdischen Gemeinden, sondern waren bestrebt, das ganze jüdische Volk für eine Gesetzestreue zu gewinnen. Es handelte sich daher um eine Erneuerungsbewegung, die sich nicht sektiererisch abkapselte wie etwa die Gruppe in Qumran, sondern die „mitten im Leben stand“ und es umgestalten wollte.

 

Die Pharisäer waren am Heil der einzelnen Menschen interessiert und glaubten an eine Auferstehung der Toten und ein göttliches Gericht, vor dem sich jeder einzelne Mensch verantworten musste. Dies waren Vorstellungen, die auch die Jesusbe­we­gung vertrat, und gerade diese Nähe in vielen Glaubensfragen bei grundle­gen­den Unterschieden in anderen Fragen hat wohl zu den heftigen Konflikten beigetragen, die sich in der negativen Beschreibung der Pharisäer in den Evangelien niederschlagen. Auch ist zu bedenken, dass die Pharisäer nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem und dem Einflussverlust der Sadduzäer die bedeutendste jüdische religiöse Bewegung blieben.[13] Damit waren sie auch der wichtigste Gegenpart zu den Jesusanhängern in den jüdischen Synagogengemeinden und vermutlich für deren Ausschluss aus den Gemeinden verantwortlich. Entsprechend negativ war die Hal­tung vieler Jesusanhänger ihnen gegenüber, als die Evangelien des Neuen Testaments aufgeschrieben wurden.

 

Die Essener

 

Eine weitere religiöse Bewegung, die auf den politischen und religiösen Angriff der Weltmacht Rom nach einer religiösen Antwort suchte, waren die Essener („die Reinen“ oder „die Heiligen“). Ihre Wurzeln reichen vielleicht bis ins 4. vorchristliche Jahrhundert zurück, mindestens aber bis in die Zeit vor dem Makkabäeraufstand, den sie zunächst unterstützten. Bei allem Engagement gegen die politischen Unterdrücker standen für sie religiöse und nicht politische Ziele im Mittelpunkt. Die Essener waren eine tiefreligiöse radikale Bewegung. Die Mitglieder lebten ehelos und in persönlicher Armut. Ihren Besitz brachten sie in Gütergemeinschaften ein.[14] In diesen religiösen Gemeinschaften wurde zum Beispiel der Sabbat konsequent eingehalten, und es wurde großes Gewicht auf das Studium der heiligen Schriften gelegt. Als die Essener zur Überzeugung gelangten, dass das heidnische Unrechtssystem der Römer zu einer Bedrohung ihres Glaubenslebens geworden war, schlossen sie sich dem bewaffneten Widerstand an. Im Volksaufstand in den Jahren 67 bis 70 gegen die Römer gehörten sie zu den unerschrockensten Kämpfern, nicht zuletzt deshalb, weil sie an die Unsterblichkeit der Seele glaubten.

 

Zu den Essenern gehörten eventuell auch die Leute von Qumran, deren Lehre und Leben heute immer neue Rätsel aufgeben und sogar abenteuerliche Theorien entstehen ließen. In dieser Gemeinschaft waren verschiedene religiöse Riten der häuslichen Religionsausübung Männern vorbehalten, zum Beispiel die Gebete.[15]

 

In einem Text der Deutschen Bibelgesellschaft über die Essener heißt es: „Die rigorose Auslegung der Reinheitsgebote führte auch dazu, dass Frauen bei den Essenern eine ganz untergeordnete Rolle spielten. Zumindest ein Teil der essenischen Bewegung scheint sie ganz aus ihren Reihen verbannt zu haben. Da Frauen potenziell als kultisch unrein galten, wurden sie nach Darstellung der Qumrantexte zumin­dest von den gemeinsamen Mahlfeiern ausgeschlossen. Diese Mahlfeiern verstan­den die Essener als Vorwegnahme des großen Freudenmahles am Ende der Zeit.“[16]

 

Radikale messianische Bewegungen

 

Zu Lebzeiten Jesu gab es eine ganze Reihe prophetischer jüdischer Bewegungen in Judäa und Galiläa. Einige von ihnen sahen nur im gewaltsamen Wider­stand eine Hoffnung für das Volk Gottes. Den jüdischen religiösen Autoritäten am Tempel in Jerusalem warfen sie vor, mit den Römern zusammenzuarbeiten. Jesus stand daher mit seiner Kritik an den Hohepriestern nicht allein. Allerdings propagierte er nicht wie die Sikarier (Sikar = Dolch) die Ermordung der Hohepriester.[17] Aus dem 1. Jahrhundert sind namentlich mehr als ein Dutzend jüdische Aufstandsbe­we­gungen bekannt, von denen mehrere von Gläubigen geleitet wurden, die sich als Messias verstanden.[18] Einer dieser Anführer von Aufständischen trug ebenfalls den Namen Jesus und ist als Jesus ben Ananias in die Religionsgeschichte eingegangen. Er lebte einige Jahrzehnte nach Jesus von Nazareth und wurde wie dieser verhaftet, verhört und geschlagen – dann aber freigelassen.[19] Auch dieser Jesus sagte Unheil für Jerusalem und die Zerstörung des Tempels voraus, geriet in Konflikt mit dem religiösen jüdischen Establishment und wurde den Römern zur Aburteilung übergeben. Aber da er anscheinend keine nennenswerte Anhängerschaft besaß und von den Römern als harmlos eingestuft wurde, entließen sie ihn.[20]

 

Ungleich bedeutender war die Bewegung der Zeloten (der „Eiferer“), die in der verarmten Landbevölkerung Galiläas einen beträchtlichen Rückhalt besaß.[21] Die Zeloten riefen angesichts der Gewalttätigkeit der politisch und wirtschaftlich Mächtigen zur Erneuerung des religiösen Lebens auf, und aus dem Glauben heraus waren sie zum bewaffneten Widerstand bereit. Mit der Jesusbewegung verband sie ein konsequentes, ja radikales Verständnis des Glaubens an den befreienden Gott und die Naherwartung des Reiches Gottes. Was sie unter anderem trennte, waren unterschiedliche Vorstellungen von der Umsetzung dieser religiösen Einsichten. Dies zeigt sich besonders deutlich in Jesu Gebot der Feindesliebe. Dass die Zeloten nach Auffassung des Geschichtsschreibers Flavius Josephus, der als Jude im Dienste der Römer stand, Räuber waren, kann nicht überraschen. Karl Jaroš stellt hingegen in seinem Jesus-Buch fest: „Bei diesen Leuten handelt es sich nicht einfach um Straßenräuber, sondern um Guerillakämpfer, Partisanen gegen den König und letztlich gegen Rom ... Ähnlich damaligen Straßenräubern waren sie ständig auf der Flucht, mussten sich verstecken, konnten praktisch nur aus dem Hinterhalt zuschlagen. Dabei waren sie auf die Hilfe des Volkes angewiesen. Es mag sicher sein, dass sie diese Hilfe bisweilen auch herbeizwan­gen. Trotzdem waren sie beim Volk als Sym­bol eines ungebrochenen nationalen Stolzes nicht unbeliebt.“[22] Die Zeloten sahen keinen anderen Weg als den der Gewalt, um das Unrecht zu beenden, das die römischen Herrscher und ihre lokalen Vertreter ihnen antaten. Ihr gewaltsamer Widerstand war eine Anklage gegen ein Unrechtssystem. Jesus ging einen anderen Weg, aber seine Anhängerschaft kam offenbar auch aus Kreisen, die den Zeloten nahe stan­den, wird doch bei den Berufungen der Jünger über Simon gesagt, „genannt der Zelot“ (Lukas 6,15).

 

© Frank Kürschner-Pelkmann

 

 

 



[1]   Zitiert nach: Willibald Bösen: Galiläa, Freiburg 1985, S. 205

[2]   Zu Nazareth und den benachbarten Orten vgl. Gerd Theißen/Annette Merz: Der historische Jesus, Göttingen 2001, S. 158ff.

[3] Vgl. Willibald Bösen: Galiläa, a.a.O., S. 256ff.

[4] Ebenda, S. 207

[5] Ebenda, S. 224ff.

[6] Gerd Theißen/Annette Merz: Der historische Jesus, a.a.O., S. 128

[7] Walter Saller/Andreas Sedlmair: Krieg unter Brüdern, Geo Epoche, Heiliges Land, Nr. 45, 2010, S. 71

[8] Vgl. u. a. Die Sadduzäer, www.wibilex.de

[9] Vgl. Karl Jaroš: Jesus von Nazareth, Mainz 2000, S. 69

[10] Vgl. ebenda, S. 77 sowie Gerd Theißen und Annette Merz: Der historische Jesus, a.a.O., S. 210ff.

[11] Vgl. Ivone Gebara/Maria C.L. Bingemer: Maria, Mutter Gottes und Mutter der Armen, Düsseldorf 1988, S. 61f.

[12] Walter Klaiber: Geschichte Israels in zwischen- und neutestamentlicher Zeit von Alexander dem Großen bis Bar Kochba, in: S. Herrmann/W. Klaiber: Die Geschichte Israels, Stuttgart 1996, S. 156f.

[13] Vgl. Christian Strecker: Religiöse Bewegungen, in: Frank Crüsemann u. a.: Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel, Gütersloh 2009, S. 477f.

[14] Vgl. u. a. Wolfgang Zwickel: Religiöse Gruppierungen in neutestamentlicher Zeit, in: Jürgen Schefzyk/Wolfgang Zwickel (Hrsg.): Judäa und Jerusalem, Leben in römischer Zeit, Stuttgart 2010, S. 77

[15] Im „Bibel-Report“ der Deutschen Bibelgesellschaft ist versucht worden, den unseriösen Spekulationen mit sachlichen Informationen entgegenzutreten (vgl. u.a. die Ausgaben 3/1997, 1/2000, 3/2000 und 4/2002). Weitere Informationen u. a. in: Hubertus Halbfas: Die Bibel, a.a.O., S. 345ff.; vgl. auch: Wolfgang Schwan: Qumran: Anmerkung zur Anatomie einer publizistischen Lüge, Nordelbische Stimmen, 4/1997, S. 2ff. sowie Qumran, www.wibilex.de

[16] Die Essener, www.wibilex.de

[17] Vgl. Richard A. Horsley: Jesus gegen die neue römische Ordnung, in: Jesus der Galiläer, Welt und Umwelt der Bibel, 2/2002, S. 30

[18] Vgl. Große Messiashoffnung – viele Messiasge­stalten, Welt und Umwelt der Bibel, 2/2010, S. 39

[19] Vgl. Michael Theobald: Jesus, Sohn des Ananias, und Jesus, Sohn des Josef, in: Welt und Umwelt der Bibel, 2/2010, S. 36ff.

[20] Ebenda, S. 38

[21] Vgl. u. a. Die Zeloten, www.wibilex.de

[22] Karl Jaroš: Jesus von Nazareth, a.a.O., S. 74