Wasser in den Religionen

 

Angesichts seiner zunehmenden Verschmutzung und Knappheit sowie der Auseinandersetzungen um den Zugang zu Wasser wird vielen Gläubigen wieder sehr viel bewusster, welche große Bedeutung das Wasser in ihrer jeweiligen Religion hat. Dies gilt für die drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam, die in Wüstengebieten oder am Rand von Wüstengebieten entstanden sind. Ebenso kommt dem Wasser im Hinduismus eine große Bedeutung zu, besonders deutlich sichtbar an heiligen Flüssen wie dem Ganges. Auch in den anderen großen Religionen, aber ebenso in indigenen afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Religionen wird Wasser als Quelle des Lebens und als Geschenk des Schöpfers oder der Schöpfer verstanden.

 

Diese religiösen Überzeugungen beeinflussen nicht das Engagement für den Schutz der Flüsse, Seen, Feuchtgebiete und Meere, sondern auch das Engagement für die internationale Anerkennung des Rechts auf Wasser und den Widerstand gegen Privatisierungspläne. Dies gilt auch für Christinnen, Christen und ihre Kirchen. Weltweit nimmt die Vernetzung der christlichen Initiativen für die Verwirklichung des Rechts aller Menschen auf Wasser zu. 2006 wurde das "Ökumenische Wassernetzwerk" (Ecumenical Water Network - ENN) ins Leben gerufen. Dieses Netzwerk bemüht sich, das kirchliche Engagement zu bündeln und die Kirchen darin zu bestärken, sich gemeinsam für die Verwirklichung des Rechts auf Wasser einzusetzen.

 

Das Engagement für das Lebens-Mittel Wasser verbindet Menschen unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften auf der Welt miteinander. Nach einer ausführlichen Beschäftigung mit dem Wasser in der Bibel und in anderen religiösen Traditionen kommt Marcelo Barros in seinem Buch „Gottes Geist kommt im Wasser“ zu der Einsicht: „Alle Religionen und spirituellen Traditionen glauben, dass das Wasser Sakrament der göttlichen Gegenwart ist. Wir sind aufgerufen, mit dem Wasser zusammenzuleben – nicht nur mit einem praktischen und nützlichen Werkzeug, sondern mit einem Zeichen der Liebe, das es zu ertragen, zu respektieren, ja sogar zu verehren gilt ... Es geht dabei um eine persönliche, innere Umkehr, kraft derer wir die göttliche Gegenwart in der Schönheit des Wassers verteidigen und die Wasserquellen und die flussnahe Natur schützen. Doch diese innere Bekehrung bleibt möglicherweise wirkungslos, wenn sie nicht unmittelbar begleitet ist von dem Bemühen, eine soziale und gesellschaftlich-strukturelle Bekehrung einzuleiten."

 

© Frank Kürschner-Pelkmann