Identität, Ethnien und Religion in Zeiten der Globalisierung

 

Die Welt scheint immer enger zusammenzuwachsen und gleichzeitig weiter auseinanderzudriften. Moderne Telekommunikations- und Verkehrssysteme lassen Entfernungen anscheinend schrumpfen. Aber gleichzeitig wächst die Kluft zwischen den Menschen in einzelnen Ländern und zwischen den Ländern. Zwar hat Ost-West-Gegensatz seit 1989 an Bedeutung verloren, aber die Kluft zwischen den reichen und armen Staaten der Welt wächst weiter. Manche reiche Staaten bauen ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit noch aus, während anderswo Staaten zerfallen. Bei genauer Betrachtung erweist sich, dass diese Prozesse aufs Engste zusammenhängen.

 

In den wirtschaftlich erfolgreichen und dynamischen Weltregionen setzen sich Unternehmen und Wirtschaftsverbände mit Erfolg dafür ein, nationale Grenzhindernisse abzubauen und regionale Wirtschaftsräume zu schaffen. Dies ist vor allem in der Europäischen Union, in Nordamerika und Ost- und Südostasien der Fall (auch wenn es Rückschläge gibt, zu einem wesentlichen Teil verursacht durch den US-Präsidenten Trump). Das bringt vor allem für die größeren Unternehmen Vorteile, denn sie können Waren und Kapital ungehindert bewegen und größere Märkte ohne lästige und zeitraubende Grenzkontrollen bedienen. In welchem Umfang diese Globalisierung auch für die große Mehrheit der Bevölkerung Vorteile bringen, lässt sich nicht pauschal sagen. Der Wegfall der Passkontrolle bei einer Urlaubsreise in ein Nachbarland ist für sich genommen jedenfalls noch keine signifikante Verbesserung der Lebenssituation. Die Beschäftigten erfolgreicher global agierender Unternehmen können auf eine größere Sicherheit ihrer Arbeitsplätze hoffen, während die Beschäftigten von international nicht konkurrenzfähigen Unternehmen um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten müssen. Das zeigt sich selbst innerhalb der Europäischen Union.

 

Aber selbst die Beschäftigten prosperierender Konzerne sind vor Entlassungen nicht sicher, sei es wegen der Verlagerung der Produktion in ein Land mit niedrigeren Löhnen, sei es auf Grund der Fusion von Konzernen oder der Übernahme durch Finanzinvestoren. Es geht dann noch konsequenter um die Stärkung der Marktposition und die Senkung der Kosten, in der Regel durch die Reduzierung der Zahl der Beschäftigten. Der Kampf um Markt und Macht hat immer gnadenlosere Formen angenommen, was schon durch Begriffe wie „feindliche Übernahme“ zum Ausdruck kommt. Der kritisch eingestellte Schweizer Unternehmensberater Gottlieb Guntern sprach schon vor mehr als zwei Jahrzehnten von einer „gierigen Gesellschaft“ und stellte im Blick auf das heutige Wirtschaften die Frage: „Wem dient das Ganze?“

 

Entgegen mancher Behauptungen von Globalisierungsverfechtern kommt es keineswegs zu einem regionalen oder sozialen Ausgleich innerhalb und zwischen den Ländern, sondern die Wirtschaftsaktivitäten konzentrieren sich auf einige Wachstumszentren. Die sozialen Spannungen innerhalb vieler Länder wachsen, bestehen doch für die Reichen und Wohlhabenden große Möglichkeiten, Gewinne und hohe Einkommen der Besteuerung zu entziehen, während die sozialen Leistungen für Arme und Bedürftige eingeschränkt werden sollen, um die Staatsausgaben zu reduzieren. Die Globalisierung schafft also nicht nur zwischenstaatliche Konflikte, sondern ist auch eine Gefahr für den sozialen Ausgleich und Zusammenhalt in den einzelnen Gesellschaften.

 

Reiche im Süden kämpfen um den Zugang zum globalen Supermarkt

 

In den armen und „abgehängten“ Staaten hat nur eine kleine Schicht der Bevölkerung Anteil an der neuen globalisierten Welt, kann sich die Luxusartikel und Statussymbole leisten, die dazugehören, wenn man dazugehören will. Die Mitglieder dieser Schicht tragen die gleichen Jeans wie die Leute in London, besitzen die gleichen Smartphones wie die Jugendlichen in Los Angeles und fahren die gleichen Autos wie die wohlhabenden Familien in Düsseldorf. Die wohlhabende Konsumentenschicht ist auch in ärmeren Ländern ist in den letzten gewachsen und profitiert von der Globalisierung. Sie sind Teil der einen globalen Konsumwelt und fühlen sich nicht selten als Teil einer „Weltgesellschaft“. Ihre geografische Distanz zu den Slums ihrer Heimat mag gering sein, die soziale Distanz ist umso größer. Um sich auch real abzugrenzen, leben die Reichen gerade in wirtschaftlich armen Ländern in „gated communities“, in luxuriösen Wohnanlagen, die eher Festungen ähneln. Per E-Mail und Internet sind die Bewohner virtuell rascher mit Los Angeles und Singapur verbunden als real mit dem Alltag der Mehrheit der Bevölkerung im eigenen Land. Die kulturellen Verwerfungen und Konflikte innerhalb wirtschaftlich armer Länder nehmen so dramatisch zu und können gefährliche soziale und politische Auswirkungen haben.

 

In vielen armen Ländern der Welt ermöglicht die Kontrolle über den Staatsapparat den Zugang zu höherem Einkommen und Vermögen. Wer dort größere Unternehmen erfolgreich führen will, braucht enge Verbindungen zu den politisch Herrschenden. Es ist ein Geben und Nehmen, ein System, in dem Korruption eine wichtige Geschäftsgrundlage bildet. Entsprechend hart und oft auch brutal wird um die Kontrolle über den Staat gekämpft. Vielleicht ist die Demokratische Republik Kongo (früher Zaire) das eindrücklichste Beispiel hierfür. Jahrzehntelang konnten Präsident Mobutu und die mächtigen Familien in seiner Umgebung das Land systematisch ausplündern. In den Kämpfen, die zum Sturz Mobutus führten, ging es vor allem um die Kontrolle der rohstoffreichen Regionen wie Katanga sowie um die Hauptstadt Kinshasa. Die Konflikte dauern unter anderen Konstellationen bis heute weiter. Auch in anderen Staaten mit gewaltsam ausgetragenen Konflikten ist die Situation ähnlich. Auch hier konzentrieren sich die Kämpfe auf die rohstoffreichen Landesteile, wo hohe Gewinne aus dem Diamanten- oder Ölexport winken. Ausländische Mächte und Konzerne mischen in diesen Konflikten kräftig mit, ebenso internationale Waffenproduzenten und -händler.

 

Selbst Länder mit niedrigem Prokopfeinkommen der Mehrheit der Bevölkerung wie die Sahelstaaten oder Angola ermöglichen den Mächtigen einen beträchtlichen Reichtum. Die wirtschaftlichen Konsequenzen solcher Ausplünderungen sind für die Bevölkerung katastrophal, zumal die Länder, die Entwicklungsgelder vergeben, irgendwann nicht mehr bereit sind, Mittel bereitzustellen, die zu einem beträchtlichen Teil in dunklen Kanälen verschwinden. Im Lande selbst wachsen Zynismus und Verzweiflung bei all denen, die nicht von diesem Bereicherungssystem profitieren. Mit einem solchen Staat ist keine Nation zu machen. Der Staat verliert in den Augen der Bevölkerung jede Legitimität. Besonders in Afrika und in den arabischen Staaten versuchen viele Angehörige der Mittelschicht, ihr bescheidenes Vermögen dafür zu nutzen, ihre Heimat so rasch wie möglich zu verlassen und auf welchem Wege auch immer in wirtschaftlich reiche und friedliche Länder der Welt zu gelangen.

 

In manchen der „gescheiterten“ Länder kommt es zu bewaffneten Aufständen, die auf eine brutale Reaktion der Herrschenden stoßen, geht es diesen doch nicht nur um die Verteidigung der politischen Macht, sondern auch um den eigenen Reichtum und die Möglichkeit, das Land weiter auszuplündern. Erst wenn ein Regime seine Soldaten und Polizisten nicht mehr bezahlt, schwindet auch deren Loyalität, ebenso dann, wenn sich abzeichnet, dass die Tage eines Regimes gezählt sind und es geboten erscheint, sich auf die Seite der Sieger zu schlagen und mit ihnen in die Hauptstadt einzuziehen.

 

Gelingt auf diesem Wege der Machtwechsel, so besteht die große Gefahr, dass sich die neuen mächtigen Männer (und wenigen mächtigen Frauen) die Pfründe sichern, von denen schon ihre Vorgänger profitiert haben. Nicht selten glauben die Sieger, dass ihnen nach einem langen und entbehrungsreichen Krieg diese „Belohnung“ zustehe. Die neue Oberschicht richtet sich dann sehr rasch in den Enklaven der Reichen ein. Die Globalisierung ist nicht die einzige Ursache für solche sozialen Konflikte und Missstände, aber sie begünstigt und verschärft sie.

 

Ethnische Konflikte

 

In einer Atmosphäre von Zynismus, wirtschaftlichem Elend und Gewalt entwickeln ethnische Unterschiede eine enorme soziale Sprengkraft. Dabei besitzen die weltweit etwa 5.000 Ethnien einen ungeheuer großen Reichtum an Sprachen, Kultur, Weisheit, Erfahrungen und Traditionen, die uns allen helfen könnten, eine menschlichere und überlebensfähige Welt zu gestalten. Aber dieser Reichtum ist bedroht, weil in den letzten Jahrhunderten und verstärkt in den letzten Jahrzehnten immer mehr dieser Völker kulturell und physisch vernichtet wurden. Dazu hat zum Beispiel die Zerstörung riesiger Urwaldgebiete beigetragen. Mit dem Wald sterben auch die Ethnien und Kulturen, die hier über viele Tausend Jahre gelebt haben. Für eine globalisierte Wirtschaft sind das, was ihnen Heimat war, nur ein Standort lukrativer Rohstoffe, die es auszubeuten gilt. Viele Ethnien würden heute auf einer „roten Liste“ stehen, wenn es die für Ethnien und Kulturen gäbe, die vom Aussterben bedroht sind.

 

Parallel dazu verschärfen sich die Konflikte zwischen Ethnien innerhalb vieler Länder, weil jede von ihnen um die knappen Ressourcen (Land, Wasser, Wald etc.) kämpfen muss, die ihnen verblieben sind. Es ist ein Kampf ums Überleben. Der Bau riesiger Staudämme, umweltgefährdende Industrieansiedlungen und unbedacht geplante Entwicklungsprojekte können diesen Überlebenskampf und die ethnischen Konflikte noch verschärfen. Die daraus erwachsenden gewaltsamen Auseinandersetzungen innerhalb von Ländern haben zugenommen, oft unter Einmischung von Nachbarstaaten und internationalen Mächten.

 

Moderne Waffen werden von global agierenden Unternehmen auch in die abgelegensten Regionen der Welt geliefert, und wo das Schnellfeuergewehr den Speer ersetzt, nimmt die Zahl der Todesopfer sprunghaft zu. Demgegenüber verlieren traditionelle Formen der Konfliktschlichtung für die Jugend ihre bindende Kraft. Die inzwischen global zugänglichen Rambo-Filme scheinen in Konfliktsituationen mehr Faszination auszuüben als ein Kreis alter Männer unter einem noch älteren Baum, die stundenlang nach friedlichen Konfliktlösungen suchen.

 

Die Loyalität der ethnischen Gruppen gegenüber einem Staat in desolatem Zustand, der nur Steuern einfordert, aber kaum Leistungen bereitstellt, ist gering. Das Konzept der „nation buildung“ der 60er und 70er Jahre war mit einer Rolle des Staates als Entwicklungsmotor und mit einem Interessenausgleich zwischen den sozialen und ethnischen Gruppen verbunden. Dieser Ansatz ist auf zum Teil katastrophale Weise gescheitert. Und der „schlanke Staat“, der unter dem Einfluss von neoliberalem Gedankengut von internationalen Kreditgebern gefordert wird, ist dazu noch weniger geeignet. Der Globalisierungsprozess hat die sozialen Konflikte und Auseinandersetzungen nicht verursacht, aber er hat sie verschärft.  

 

Ein eigener Staat scheint manchen Ethnien der einzig vielversprechende Weg zu sein, um Ziele wie Sicherheit, Geborgenheit und Wohlstand zu erreichen. Das gilt umso mehr, wenn die eigene Region reich an Rohstoffen ist. In einer Zeit des politischen und wirtschaftlichen Chaos scheint nur auf die eigene Familie, das eigene Dorf und die eigene Ethnie Verlass zu sein. Die Zahl der Staaten der Welt ist im letzten Jahrzehnt sprunghaft gestiegen. Die Sowjetunion ist in zwei Dutzend Staaten zerfallen, die ihre Selbständigkeit überwiegend ethnisch-kulturell begründen und auf dieser Grundlage eine Nation aufbauen wollen.

 

Das Ende der Ost-West-Konfrontation und die Schwäche mancher großer, heterogener Staaten öffnet den Weg zur Verwirklichung lang gehegter Wünsche nach Selbstbestimmung, und die politischen Führern solcher Bewegungen versprechen sich Macht und Reichtum, wenn sie erst einmal an der Spitze eines eigenen Staates stehen. Allerdings gibt es heute kaum irgendwo auf der Welt ethnisch homogene Gebiete, und so löst das Streben nach Unabhängigkeit einer Ethnie geradezu zwangsläufig den Konflikt mit anderen Ethnien aus, die in einem neuen Staat zu Minderheiten würden. Das gilt besonders für die Ethnien, die im bisherigen Gesamtstaat zur Mehrheit oder zu einer der großen Bevölkerungsgruppen gehören.  Kommt hinzu, dass ethnische Spannungen praktisch immer unlösbar mit sozialen und ökonomischen Konflikten verwoben sind, etwa dann, wenn die eine Ethnie Viehzucht betreibt und die andere Ackerbau. Auch gehören die einzelnen Ethnien nicht selten mehrheitlich unterschiedlichen Religionsgemeinschaften an. Und da ist dann auch noch die Frage, welche Sprache in einem neuen Staat die Auszeichnung „offizielle Landessprache“ erhält, die von allen gesprochen und verstanden werden soll.

 

Wenn solche ethnischen Konflikte gewaltsame Formen annehmen, wenn Menschen ihre Nachbarn ermorden, mit denen sie Jahrzehnte lang freundschaftlich zusammengelebt haben, dann ist der Weg zurück zum Frieden lang. Die Zentralregierung stilisiert sich in einem solchen Konflikt gern zur Verteidigerin der nationalen Einheit und unterstützt jene Kräfte, die eine Separation ablehnen. Der Kosovo-Krieg und der Krieg im Norden Sri Lankas sind nur zwei solcher Auseinandersetzungen. Ethnische Fragen spielen nicht nur in Sezessionskriegen eine wichtige Rolle, sondern auch im Kampf um die Macht im Gesamtstaat.  

 

Waren es in den letzten Jahrhunderten vor allem die Kolonialmächte, die ganze Bevölkerungsgruppen von ihrer Heimat in einen anderen Teil der Welt brachten, um ihren Bedarf an Arbeitskräften zu decken, so veranlasst heute vor allem die wirtschaftliche Kluft zwischen reichen und armen Ländern Menschen dazu, woanders eine Arbeits- und Lebensmöglichkeit zu suchen – um dann festzustellen, wie schwer es ist, dort Wurzeln zu schlagen. Der Ökumenische Rat der Kirchen hat in der Vergangenheit ein Programm ins Leben gerufen, um auf die Situation ,,entwurzelter Menschen“ aufmerksam zu machen und Schritte zur Verbesserung ihrer Lage zu fordern und zu fördern.

 

Auch zwischen schon lange friedlich miteinander lebenden Ethnien wachsen in vielen Ländern seit einigen Jahren die Spannungen, vor allem in Ländern, in denen die Wirtschaft darniederliegt und der Staat seine sozialen Aufgaben immer weniger wahrnimmt. In Ländern wie Kenia wird in der Presse schon seit Jahrzehnten routinemäßig vermerkt, welcher Ethnie ein Politiker angehört, ein beunruhigendes Zeichen dafür, wie stark die Politik schon ethnisiert ist.

 

In vielen Ländern besetzen Staatschefs die Schlüsselstellungen in Regierung, Verwaltung und Armee mit Angehörigen des eigenen Volkes. Von ihnen erwarten einen hohen Grad von Loyalität und werden selten enttäuscht. Das erhöht nicht unbedingt die Qualität der politischen und administrativen Arbeit und löst geradezu notwendigerweise Unmut und Zorn bei den anderen Ethnien aus, die sich nicht nur übergangen fühlen, sondern auch übergangen werden. Einige dieser Oppositionellen werden in das herrschende System integriert, andere Politiker mit oppositionellen Haltungen verharren außerhalb des gerade herrschenden Establishments und warten auf den Tag, an dem sie die politische Macht übernehmen können - und dann alle Schlüsselstellungen mit Angehörigen der eigenen Ethnie besetzen.

 

Eine Loyalität der ganzen Bevölkerung zum Staat lässt sich bei solchen politischen Verhältnissen und einem hohen Grad von Korruption nicht erreichen. Die von westlichen Geldgebern geforderten Wahlen zu einem Parlament auf der Basis eines Mehrparteiensystems sind häufig durch die Ethnisierung der Gesellschaft und Politik behindert worden. So zeigte sich bei Parlamentswahlen in Kenia mehrfach, dass ein großer Teil der Wählerschaft entsprechend der eigenen ethnischen Zugehörigkeit für die Regierung oder eine bestimmte Oppositionspartei stimmte. Das ist nicht einfach ethnische Verbohrtheit, sondern durchaus das Ergebnis rationaler Überlegungen. Wo die Parteien überwiegend aus Angehörigen einzelner Ethnien oder einem Bündnis von Ethnien bestehen, lassen sich Vorteile für das alltägliche Leben erwarten, wenn die Partei der eigenen Ethnie siegt.

 

Bei der Vergabe der Entwicklungsvorhaben und staatlichen Investitionen werden erfahrungsgemäß Regionen stark bevorzugt, die mehrheitlich für die regierenden Parteien gestimmt haben. Eine wirkliche Demokratisierung einer Gesellschalt ist so kaum möglich, und es besteht die Gefahr, dass ethnische Spannungen unter den politischen und ökonomischen Bedingungen sogar noch zunehmen. Ethnische Konflikte sind dabei aufs Engste verwoben mit weit verbreiteter Verarmung, krassen sozialen Unterschieden und nicht funktionierenden staatlichen Einrichtungen und Programmen. Diese Konflikte schrecken dann internationale Investoren und Handelspartner noch weiter ab, und damit wird der wirtschaftliche Niedergang beschleunigt, der die Ethnisierung der Politik von Anfang an begünstigt hat.

 

Der Kirchenrat Kenias und ebenso Kirchen und kirchliche Einrichtungen in anderen Ländern im Süden der Welt haben immer wieder die Instrumentalisierung ethnischer Spannungen zur Sicherung politischer Machtpositionen angeprangert. Sie setzen die ganze Autorität der Kirche (vor allem in Asien in Zusammenarbeit mit anderen Religionsgemeinschaften) ein, um ethnische Konflikte zu beenden und eine Versöhnung zu fördern. Sie ermutigen dazu, die ethnische Vielfalt ihres Landes als Teil des Reichtums der Schöpfung Gottes zu verstehen und zu schätzen, statt sie in politischen und militärischen Machtkämpfen zu missbrauchen.

 

Wenn Religion Konflikte verschärft

 

Aber in vielen Fällen sind ethnische und religiöse Konflikte auf fatale Weise miteinander verwoben. Ein Beispiel dafür ist Myanmar (früher Burma), wo ethnische Minderheiten in der Vergangenheit versucht haben, sich von diesem Staat zu lösen oder zumindest eine größere Eigenständigkeit zu erlangen. Myanmar ist ein sehr überwiegend buddhistischer Staat, aber unter den Angehörigen der ethnischen Minderheiten, vor allem unter den Karen, ist der Anteil der Christen hoch. Der Aufstand der Karen und anderer Minderheitsvölker wurde von den Machthabern sowohl als Bedrohung der Einheit des Staates als auch als Angriff auf die buddhistische Religion und Kultur interpretiert. Entsprechend heikel war die Situation der Kirchen Burmas. In den letzten Jahren, seit einer schrittweisen Demokratisierung des Landes, haben vor allem die Spannungen zwischen der buddhistischen Mehrheit und den muslimischen Rohingya im Westen des Landes zugenommen. Das Vorgehen des burmesischen Militärs gegen Rohingya hat eine Massenflucht von Angehörigen dieser Minderheit in das benachbarte Bangladesch ausgelöst.

 

Auch in manchen anderen Ländern werden ethnisch-religiöse Konflikte gewaltsam ausgetragen. Ein schreckliches Beispiel dafür ist der Sudan, wo die Regierung in Khartum eine arabisch-islamische Vorherrschaft festigen will. Den schwarzafrikanisch-christlich-animistischen Aufständischen im Süden ist es gelungen, einen eigenen Staat zu etablieren, den Südsudan, während die Konflikte im Osten des Sudan noch anhalten. Auch in den Auseinandersetzungen in verschiedenen Teilen Indonesiens verlaufen die Konfliktlinien entsprechend der ethnischen und religiösen Zugehörigkeit. Osttimor ist inzwischen zu einem unabhängigen Staat geworden, während die Konflikte in Irian Jaya (West-Papua) noch anhalten. In Europa ist das ehemalige Jugoslawien ein trauriges Beispiel dafür, wie Religion zum Aufbau von Feindbildern instrumentalisiert werden kann. Es ist auffällig, dass solche Konflikte vor allem dort militant ausgetragen werden, wo ein wirtschaftlicher Niedergang droht oder zu beobachten ist, die Arbeitslosigkeit hoch ist und die Wirtschaftskraft regional sehr unterschiedlich ist.

 

In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass mit wachsenden Migrationsbewegungen innerhalb von Ländern wie Indonesien das soziale und religiöse Konfliktpotential wächst. In Indonesien stehen sich in Iran Jaya die ursprüngliche Papua-Bevölkerung mit einem hohen Anteil von Christen und die sehr überwiegend muslimischen Migranten von dicht bevölkerten indonesischen Inseln gegenüber. In Mindanao im Süden der Philippinen sind die meisten Mitglieder der ursprünglichen Bevölkerung Muslime, die Zuwanderer Christen.

 

Zusätzliche Spannungen entstehen, wenn die religiöse Mehrheit den Staat nach ihren Vorstellungen gestalten will, sei es nun als christlicher, muslimischer oder hinduistischer Staat. Minderheiten haben dann oft nur noch den Status von Bürgern zweiter Klasse, nicht selten werden sie zu Fremden im eigenen Land gemacht, und dies besonders dann, wenn sie nicht nur religiös, sondern auch ethnisch zu einer Minderheit gehören. Setzt sich auch noch eine fundamentalistische Richtung unter den Angehörigen der vorherrschenden Religionsgemeinschaft durch, steht es sehr schlecht um die Rechte dieser Minderheiten. Diese Gefahren sind zum Beispiel in Indien zu beobachten.

 

Aber auch innerhalb der Religionsgemeinschaften kommt es zu ethnischen Spannungen. So ist es vor allem in afrikanischen Kirchen unter ethnischen Gesichtspunkten zur Aufteilung von Diözesen in zwei oder drei neue Diözesen gekommen. Anderenorts spalteten sich Kirchen entlang ethnischer Unterschierle. Kirchen, die mit solchen Konflikten konfrontiert sind, bieten kein überzeugendes Beispiel dafür, dass Menschen über alle ethnischen Unterschiede hinweg zusammenarbeiten sollen.

 

In vielen Konfliktregionen bemühen sich Angehörige und führende Vertreter der Religionsgemeinschaften, die politische Instrumentalisierung von Religion zu verhindern und Frieden und Versöhnung zu fördern. So haben führende Vertreter der buddhistischen, hinduistischen, muslimischen und christlichen Religionsgemeinschaften in Sri Lanka immer wieder ein Ende der Gewalt gefordert und vielfältige Programme der Friedensförderung und zur Friedenserziehung ins Leben aufgerufen. Auch in Israel/Palästina gibt es eine aktive Friedensbewegung, der Juden, Muslime und Christen angehören. In Spannungssituationen werden solche Menschen leicht als Verräter der eigenen Bevölkerungsgruppe angesehen und sind um so mehr auf Solidarität aus anderen Teilen der Welt angewiesen.

 

Die Verteidigung der eigenen Identität

 

Die vielen ethnisch-religiösen Konflikte der Gegenwart können nicht allein auf eine veränderte internationale politische Situation, auf das wirtschaftliche Abgehängtwerden ganzer Weltregionen und auf das Machtinteresse skrupelloser Politiker zurückgeführt werden. Eine große Rolle spielt auch die Suche nach Identität. Der dynamische Prozess der Integration in globale Wirtschafts- und Konsumstrukturen sowie die Konfrontation mit fremden Normen und Werten durch global verbreitete Medien und die Werbung haben in vielen Gesellschaften eine tiefe Verunsicherung ausgelöst. Was richtig und was falsch ist, was von den eigenen Traditionen noch Wert hat und was am besten möglichst rasch aufgegeben werden sollte, was von den importierten Gütern und Göttern zu halten ist, welche Rolle traditionellen Autoritäten weiterhin zukommt ... Die Liste solcher Fragen ist lang. Fast alle Völker und sozialen Gruppen sind heute in unterschiedlichem Maße ein Teil der globalen Wirtschaft - und sei es als Opfer oder Ausgegrenzte, die mangels Kaufkraft an all dem nicht teilhaben können, was Glück und Zufriedenheit verheißt, sei es eine Luxusseife oder ein Mittelklasseauto.

 

Die Frage „Wer bin ich?“ ist von den meisten Menschen auf der Erde immer weniger zu beantworten, und diese Frage ist aufs engste verknüpft mit der Frage „Wer sind wir?“ Die Verunsicherung mündet nicht gradlinig in religiösen Fundamentalismus oder ethnische Militanz. Es ist sinnvoll, dort Rückhalt und Orientierung zu suchen, wo die eigene Identität verwurzelt ist, im eigenen Volk und in der eigenen Religion. Das Problem ist allerdings, dass diese Bezugsgrößen selber vor grundlegenden Fragen stehen. Die „neue Unübersichtlichkeit“ macht es auch für religiöse und ethnische Gemeinschaften immer schwerer, Orientierung zu geben und Sinn zu vermitteln.

 

Das Problem selbst ist alt. Schon im Alten Testament begegnet uns immer wieder die Frage, wie die Identität als Volk und religiöse Gemeinschaft gewahrt werden kann, ohne in Konfrontation mit den Nachbarvölkern zu leben. Das Land zwischen Mittelmeer und Jordan war schon zu dieser Zeit vom Miteinander, Nebeneinander und Gegeneinander sehr unterschiedlicher Kulturen, Religionen und Ethnien geprägt. Für das Volk Israel wurde der Glaube an den einen Gott und die Kraft seiner Gesetze und Regeln selbst in Zeiten des Exils oder der Fremdherrschaft zur festen Grundlage des Zusammenhalts. Die Zugehörigkeit zu diesem Volk und dieser Glaubensgemeinschaft schuf Identität, bedeutete aber zugleich klare Abgrenzung von den anderen Völkern. Immer wieder kam es zu Kriegen, in denen es um Beherrschung und Unterordnung, die Kontrolle über das Land oder Vertreibung ging.

 

Identität und Glaube

 

Die Bedeutung von Volk und Religion für die Identität der Menschen war den christlichen Missionarinnen und Missionaren der letzten Jahrhunderte bewusst. Sie hatten das positive und identitätsstiftende Bild von Volk in der Bibel vor Augen, als sie die Kultur und Identität der Ethnien förderten, unter denen sie arbeiteten, allerdings mit der wichtigen Einschränkung, dass sie in der Regel all das bekämpften, was nach ihrem Verständnis mit den traditionellen Religionen in Verbindung stand. Es wurde versucht, die lokale Kultur mit dem Evangelium, wie die Missionare es verstanden, in Einklang zu bringen. Das konnte nicht ohne Brüche und Verwerfungen vor sich gehen. Einheimische Christinnen und Christen haben dann ihre eigenen Formen der Verbindung von befreiender Botschaft und eigener Kultur gefunden, so zum Beispiel die unabhängigen afrikanischen Kirchen.

 

Auch heute können gläubige Menschen überall auf der Welt eine kritische Funktion gegenüber der Kultur und den Traditionen der eigenen Ethnie, des eigenen Volkes übernehmen. Es wird stärker als früher gefragt, welche Traditionen zur Unterdrückung von Teilen der Gemeinschaft führen. insbesondere zur Unterdrückung der Frauen. Solche Traditionen gilt es zu überwinden, was in aller Regel zu Konflikten mit denen führt, die bisher von diesen gesellschaftlichen Verhältnissen profitieren. Aber lebendige Kulturen waren nie etwas Statisches, suchten stets nach angemessenen Antworten auf die praktischen und ethischen Herausforderungen ihrer Zeit. Deshalb ist die kritische Auseinandersetzung mit kulturellen Traditionen des eigenen Volkes ein wesentlicher Beitrag zur Bewahrung einer Kultur und ihrer Reichtümer.

 

Vielerorts stellt sich die Frage, wie diese Vielfalt und dieser Reichtum gefördert werden können, ohne neues Konfliktpotenzial zu schaffen. In wohlhabenden, politisch stabilen Ländern ist es weitgehend unumstritten, die Kultur einzelner Völker und Volksgruppen zu fördern, um Menschen Heimat und Identität zu geben. Die Pflege der friesischen Sprache oder alemannischer Fastnachtstraditionen führen nicht zu ethnischen Konflikten. Aber in wirtschaftlich armen und politisch spannungsreichen Regionen der Welt ist die Situation komplexer. Regierungen neigen dort dazu, die Kultur von Minderheitsvölkern zu unterdrücken, so die türkische Regierung die der Kurden.

 

Eine Konsequenz solchen Unrechts ist, dass unterdrückte oder marginalisierte Ethnien und Kulturgruppen umso stärker das Eigene betonen und sich vehement von „den Anderen“ abgrenzen. Sowohl die Kultur der Unterdrücker als auch die Kultur der Unterdrückten nehmen in solchen Auseinandersetzungen schweren Schaden.

 

Die Identifikation mit dem eigenen Volk als Beitrag zur Festigung der eigenen Identität ist so notwendig wie schwierig und die Rolle der Kirchen und der anderen Religionsgemeinschaften in solchen Konfliktsituationen ist es auch. In allen Ländern besteht Anlass, das Verhältnis von Religion, Ethnie und Staat kritisch zu überdenken. Muss eine Kirche oder eine andere Religionsgemeinschaft ,,patriotisch" sein, um wirklich im eigenen Land verwurzelt zu sein, und wie können Gläubige dann in der Einen Welt zu einer Identität finden und auf dieser Grundlage geschwisterlich mit Menschen jenseits politischen, kulturellen und religiösen Unterschiede leben? Häufig stehen die Religionsgemeinschaften unter massivem Druck, das zu vertreten und international zu propagieren, was die Regierenden und die Mehrheit der Nation für richtig halten.

 

Vielleicht liegt die große Verantwortung der Kirchen und der anderen Religionsgemeinschaften nicht nur in der Verhinderung eines übersteigerten ethnischen Bewusstseins als Weg zur gemeinsamen Identitätsfestigung, sondern auch darin, Menschen zu helfen, Identität anders als durch die Abgrenzung und Abwertung der „Anderen“ zu entwickeln. Dies ist nicht nur in den Krisenregionen der Welt ein gravierendes Problem. Dahinter steht die Frage, wie Glaube sinnstiftend sein kann, wie also den Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes glaubwürdige Antwort auf die Fragen nach dem Woher und Wohin des Lebens und nach der eigenen Rolle in der Gemeinschaft vermittelt werden kann.

 

Der Auflösung traditioneller, festgefügter Formen des Zusammenlebens in praktisch allen Gesellschaften entspricht bei vielen Menschen (besonders in Europa) eine Auflösung fester Glaubensüberzeugungen und führt zu einer „Patchwork“-Religiosität, die manche Menschen sich aus Versatzstücken verschiedener Religionen selbst zusammenfügen. Andere halten angesichts des Ansturms der Moderne umso starrer an dem fest, was sie als die Fundamente ihres Glaubens ansehen. Aber so wie es keine Rückkehr zu früheren sozialen Verhältnissen gibt (die beim genauem Hinsehen wahrlich keine gute alte Zeit waren), so gibt es für die Gläubigen keine Rückkehr zum „naiven“ Glauben früherer Generationen und vielleicht der eigenen Kindheit, es sei denn, man ist bereit, den hohen individuellen und sozialen Preis des Fundamentalismus zu zahlen.

 

Identität lässt sich nur gewinnen, wenn wir das, was wir über den sozialgeschichtlichen und religionsgeschichtlichen Hintergrund religiöser Geschichten und Texte wissen, und unseren Glauben miteinander in Verbindung bringen und auf unser heutiges Leben beziehen. Gefragt sind mündige Gläubige, die es verstehen. das Religiöse und das Weltliche, die wissenschaftlichen Erkenntnisse und das Wissen um die tiefen Geheimnisse des Lebens nicht in säuberlich getrennte Schubladen zu packen, sondern mit ihrem Spannungsverhältnis zu glauben und zu leben. Mündige Gläubige können die Verheißungen der Religion in Beziehung setzen zu den Fragen des Alltagslebens. Sie gewinnen so Identität als Persönlichkeiten und als Teil größeren Gemeinschaften von Menschen unterschiedlichen Glaubens.

 

Ein mündiges Verständnis des Glaubens

 

Aber überfordert das die Menschen nicht, wie schon der Großinquisitor in Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasow“ vermutete? Ist es nicht besser, eine klare Richtung vorzugeben, der die Menschen dann zufrieden folgen? Der Großinquisitor warf Jesus vor: „Wo bisher das alte feste Gesetz herrschte, da soll hinfort der Mensch mit freiem Herzen selbst entscheiden, was gut und was böse ist, und als alleinige Richtschnur soll er dein Abbild im Herzen tragen! Hast du aber wirklich nicht bedacht, dass der Mensch schließlich auch dein Abbild und dein Recht verleugnen und von sich werfen wird, wenn man ihm eine so furchtbare Last aufbürdet wie die freie Wahl? War es überhaupt möglich, die Menschen in größerer Verwirrung und in größerer Qual zurückzulassen, als du es tatest?“ Der Großinquisitor hat den Menschen die Last abgenommen, so der Roman von Dostojewski, uns ist sie geblieben.

 

Die Frage nach der Identität als Einzelne und als Gemeinschaft führt uns also direkt zu den zentralen Fragen unseres Glaubens. Um die Flucht in religiöse, ethnische und nationalistische Überheblichkeit und Ressentiments zu vermeiden, ist die Festigung von Identität unverzichtbar, und gerade hier ist für Christinnen und Christen die Botschaft des Evangeliums verheißungsvoll, weil sie das Leben der Menschen in einer lokalen Gemeinschaft ernst nimmt und diese fördert, aber zugleich darüber hinausweist, hin zur Teilhabe an der einen Welt Gottes und zu einem Lebensverständnis, das die eigene irdische Existenz nicht als den Anfang und das Ende ansieht.

 

Ein solches mündiges Verständnis des eigenen Glaubens eröffnet die Freiheit, gemeinsam mit Menschen anderer Glaubensüberzeugungen nach den Werten und Wegen zu suchen. die diese Welt bewahren und menschlicher machen können. Vor allem Frauengruppen und -bewegungen sowie die Organisationen indigener Völker, die unter den Folgen der Globalisierung leiden und sie anprangern, sind wichtige Verbündete auf diesem Weg. Mary John Mananzan, eine engagierte philippinische Theologin, sieht die Perspektive für ein neues globales Bündnis: „Mittlerweile leidet die große Mehrheit der Menschen in vielen entwickelten Ländern und Entwicklungsländern unter den negativen Effekten der Globalisierung. Das ist eine sehr solide Basis der internationalen Solidarität.“

 

Mitten in den Konflikten der Welt können Christinnen und Christinnen eine grenzüberschreitende Gemeinschaft bilden, die eine nicht auf grenzenloses Wachstum und unbegrenzten Gewinn orientierte alternative Globalisierung lebt. Als Teil der einen Kirche Christi in der Welt kann sich eine lokale Kirche nicht ohne schweren Schaden für die eigene Identität aus einer verbindlichen ökumenischen Zusammenarbeit zurückziehen. Dazu gehört auch die gegenseitige kritische Befragung, nicht zuletzt in Fragen von ethnischer Überheblichkeit oder der Rolle in ethnischen Konflikten. So verbinden sich Glauben und eine andere Globalisierung, werden zur Alternative einer einseitigen Verbindung von Gewinn und vorherrschender Globalisierung.

  

© Frank Kürschner-Pelkmann