Die Gefahren des „Wohlstandsevangeliums“

 

„Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm“, heißt es in einer berühmten Ballade in Bertholt Brechts „Dreigroschenoper“. Und auch viele Christinnen und Christen leben gern angenehm und im Wohlstand. Aber da gibt es die beunruhigenden Texte in der Bibel, die die Reichen zur Umkehr und zum Teilen mit den Armen auffordern. Gewiss, etwas Wohlstand scheint nicht den Weg ins Himmelreich zu verbauen. Aber mit einem großen Reichtum inmitten einer Welt voller Armut und Elend, muss man da nicht um sein Seelenheil fürchten und betrübt dem Kamel nachschauen, dass es gerade noch schafft, durchs Nadelöhr zu gehen?

 

Viele reiche Christinnen und Christen haben seit dem Mittelalter große Geldsummen für wohltätige Zwecke gestiftet, um hier auf der Welt den eigenen Reichtum zu genießen und gleichzeitig gute Aussichten für eine Aufnahme in den Himmel zu besitzen. Solche Stifter gibt es weiterhin und auch Reiche, die bewusst anständig mit ihren Beschäftigten und Kunden umgehen.

 

Seit einigen Jahrzehnten gibt es reiche Mitglieder der Kirchen, die an Gebetsmahlzeiten („prayer meetings“) in teure Hotels teilnehmen. Die christlichen Organisationen, die sie einladen, propagieren eine einseitige Botschaft, die die Reichen beruhigt, dass ihr Reichtum Ausdruck von Gottes Gnade und Segen sei und sie ihn deshalb in vollen Zügen genießen sollten. Geeignet erscheinende Bibelverse lassen sich finden, die dann tunlichst aus dem Gesamtzusammenhang der Bibel herausgelöst werden.

 

Die Reichen werden bestärkt, ihre wirtschaftlichen Aktivitäten fortzuführen, die häufig einen hohen Preis für Mitmenschen und die Natur haben. Aber das ist längst nicht mehr so leicht durchschaubar wie früher. Wer sein Kapital der Fondsgesellschaft „BlackRock“ anvertraut, dessen Geld wird Teil eines verwalteten Vermögens von etwa 7,4 Billionen Dollar. Wer behält da noch den Überblick, welche ökologischen und sozialen „Nebenwirkungen“ von den wirtschaftlichen Aktivitäten ausgehen, die „BlackRock“ mit den eingesammelten Billionen finanziert - und wer will das so genau wissen?   

 

Die Reichen werden bei „prayer meetings“ nicht daran erinnert, dass sie in der Bibel lesen könnten, dass Reichtum angesichts von Armut und Hunger ein Skandal ist und sie zu Umkehr und geschwisterlichem Teilen aufgefordert sind. Diese Gebetstreffen waren und sind eine exklusive Angelegenheit, das ist ihre Stärke, begrenzt aber auch ihre Breitenwirkung in den Kirchen.

Als sehr viel wirkungsvoller und einflussreicher hat sich in den letzten Jahren das „Wohlstandsevangelium“ erwiesen. Es beruht ebenfalls auf einem selektiven Lesen der Bibel, das den Wohlhabenden und Reichen die Botschaft vermittelt, dass dieser Reichtum Ausdruck der Gnade Gottes ist. Keine Überraschung also, dass sich viele Reiche von ihnen von diesem „Wohlstandsevangelium“ angesprochen. Dieses „Evangelium“ passt ganz ideal zur vorherrschenden Globalisierung und seinen „Gewinnern“.

 

Aber auch für viele Arme ist dieses „Wohlstandsevangelium“ überzeugend. Ihnen wird vorhergesagt, dass auch sie bald reich sein werden, wenn sie nur fest genug glauben würden. Arturo Piedra, der an einer theologischen Universität in Costa Rica unterrichtet, hat 2005 in der Zeitschrift „Reformed World“ des Reformierten Weltbundes ausführlich die theologischen Grundlagen und den Einfluss des „Wohlstandsevangeliums“ in den Kirchen in vielen Ländern der Welt analysiert und festgestellt, dass die Tatsache, dass „die Wohlstandstheologie, unter den Armen eine große Anziehungskraft besitzt, schlaglichtartig die Krise der traditionellen Theologie sichtbar macht“.

 

Piedra stellt dar, dass die „Wohlstandstheologie“ ihren Ursprung in den USA hat, wo sie in den 1950er Jahren formuliert wurde und mit dem Wirtschaftsboom der Nachkriegsjahrzehnte einen großen Aufschwung nahm. Sie wurde und wird unter anderem von US-Fernsehpredigern verbreitet, die ihrerseits durch ihre Medienkonzerne zu großem Reichtum kamen und kommen. Sie generierten auch dadurch viele Spenden, dass sie die US-Gläubigen zur Unterstützung ihrer globalen Medienevangelisationen aufforderten.

 

Reich werden als Ziel – viele der Prediger des „Wohlstandsevangeliums“ schaffen es

 

Aus der Sicht der promintenten Leiter und ebenso der lokalen Prediger des „Wohlstandsevangeliums“ besteht ein großer Vorzug dieser Theologie darin, dass sie sich durch die Spenden der Gläubigen bereichern können, ohne dass ihnen dies von den Spendern vorzuwerfen wäre. Im Gegenteil. Im Rahmen der Überzeugungen von einem „Wohlstandsevangelium“ sind ein teures Auto, eine prächtige Villa und sogar ein Privatjet überzeugende Beweise dafür, dass Gottes Segen auf diesem Geistlichen ruht.

 

Ein kleines Repertoire an Bibelversen reicht aus, um diese Bereicherung zulasten der oft armen Spender zu begründen und zu rechtfertigen. Beliebt zur biblischen Untermauerung des „Wohlstandsevangeliums“ ist die Speisung der Israeliten, die murrten, weil sie auf dem Weg durch die Wüste hungerten und sich zu den Fleischtöpfen Ägyptens zurücksehnten. Gott reagierte so: „Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt innewerden, dass ich, der HERR, euer Gott bin.“ (2. Mose 16,12) Und tatsächlich stellte Gott Wachteln und Brot für alle bereit. Gott „lieferte“ also, und das tut er auch heute, verkünden die Prediger des „Wohlstandsevangeliums“. Er stellte allerdings, so die biblische Geschichte, lediglich Lebensnotwendiges bereit, und es mag bezweifelt werden, ob er heute Luxusautos und Prachtvillen herabregnen lassen würde.

 

Beliebt sind auch die ersten Verse des 3. Johannesbriefes, in dem der Briefeschreiber dem Empfänger Wohlergehen wünscht. In der Lutherübersetzung lesen wir: „Der Älteste an den lieben Gaius, den ich lieb habe in der Wahrheit. Mein Lieber, ich wünsche, dass es dir in allen Stücken gut gehe und du gesund seist, so wie es deiner Seele gut geht.“ In der Einheitsübersetzung der Bibel taucht das Wort Wohlergehen auf: „Der Älteste an den geliebten Gaius, den ich in Wahrheit liebe. Geliebter, ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.“

 

In der Tat können wir diesem Briefanfang entnehmen, dass der Briefeschreiber seinem Freund ein umfassendes, also auch materielles Wohlergehen wünscht. Aber es sind Zweifel berechtigt, ob damit ein Freibrief für persönliche Raffgier zu entnehmen ist, wenn wir die Verse im Gesamtkontext des Neuen Testaments lesen. Eindeutig ist, dass der Gott der Bibel den Menschen kein Leben in Not und Elend verheißt, aber eben auch kein Leben in grenzenlosem Reichtum, während anderen Menschen das Lebensnotwendige fehlt. Ein Leben in Fülle ist kein Leben in Völlerei und großem Reichtum, der zu nichts verpflichtet.

 

Wie es auf den Kontext eines Bibeltextes ankommt, zeigt sich an diesem Vers, der bei Anhängern des „Wohlstandsevangeliums“ ebenfalls beliebt ist: „Wollt ihr mir gehorchen, so sollt ihr des Landes Gut genießen.“ (Jesaja 1,19) Der Vers scheint zu bestätigen, dass man Reichtum genießen soll. Er ist für die Prediger des neuen „Evangeliums“ zudem ein Anlass, den Gläubigen zu verkünden, dass zum Gehorsam gegenüber Gott das Spenden für die Prediger gehört. Wer gehorsam spendet, der werde auch am Gut des Landes reichlich teilhaben.

 

Der Gehorsam, den Gott in diesem Jesaja-Kapitel fordert, hat aber nichts mit dem materiellen Wohlergehen und Reichtum heutiger „Wohlstands“-Predigers zu tun: „Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen. Lasst ab vom Bösen, lernt Gutes tun! Trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!“ (Jesaja 1, 16-17) Hier kommt der Gott zu Wort, der Gerechtigkeit fordert und sich auf die Seite der Armen und Unterdrückten stellt.

 

Ein „Evangelium“ für die Erfolgreichen – und eine Last für die Armgebliebenen 

 

Längst hat das „Wohlstandsevangelium“ die etablierten christlichen Kirchen erreicht. Ich habe Anfang der 1990er Jahre an einem Gottesdienst der „Kirche Christi in Thailand“, der großen evangelischen Kirche des Landes, in der Nähe von Chiang Mai teilgenommen. Der Gottesdienst fand vor der beeindruckend großen Villa einer örtlichen christlichen Familie statt, und der Höhepunkt war ein persönliches Zeugnis der Hausbesitzerin. Sie schilderte, wie sie vor einigen Jahren aus vollem Herzen zu Gott gebetet habe, er möge sie und ihren Mann reich machen. Und Gott habe dieses Gebet erhört, sodass sie reich wurden und sich kürzlich die schöne Villa leisten konnten. Das sei der Beweis dafür, dass Gott für die Gläubigen sorgt und ihnen zu Reichtum verhilft. 

 

Das „Wohlstandsevangelium“ wird in manchen Fällen die Gläubigen dazu motivieren, sich zielstrebig um einen ökonomischen Aufstieg zu bemühen und sogar Erfolg zu haben. Aber für viele Arme ist es schlicht nicht möglich, unter den Rahmenbedingungen ihrer Gesellschaft ökonomisch zu reüssieren. Sie müssen sich nach ihrem Scheitern fragen, ob sie nicht fest genug geglaubt und nicht inbrünstig genug gebetet haben. Sie sind nicht nur um die Spenden ärmer, die sie dem Prediger übereignet haben in der Hoffnung, bald ein Vielfaches zu verdienen. Sie werden auch noch mehr überzeugt sein, dass sie gescheiterte Menschen sind, die es nicht einmal geschafft haben, die Verheißungen der Bibel für ein Leben in Reichtum auskosten zu können.

 

Die koreanische Version des neuen Evangeliums

 

Nicht nur von den USA, sondern auch von Südkorea aus wird das „Wohlstandsevangeliums“ in alle Teile der Welt verbreitet. Die koreanische Variante dieser Theologie nimmt für sich in Anspruch, so analysiert Arturo Piedra in seinem erwähnten Zeitschriftenbeitrag, im Gegensatz zur nordamerikanischen Variante zu vertreten, dass der neu gewonnene Reichtum nicht lediglich für den persönlichen Luxuskonsum genutzt wird, sondern auch zum Aufbau des Reiches Gottes beitragen soll.

 

Die koreanischen Theologen sind überzeugt, dass dieses Reich schon mitten in dieser Welt entsteht. Wie auch andere Vertreter des „Wohlstandsevangeliums“ lehnen sie es ab, die Gläubigen auf ein herrliches Leben erst nach dem Tode zu vertrösten und die bestehende Welt als abgrundtief böse zu verdammen. Das leuchtet natürlich ein, weil der eigene Reichtum schon zu Lebzeiten angehäuft und genossen werden soll. 

Eine weitere koreanische Kritik: Prominenten US-Vertreter des „Wohlstandsevangeliums“ würden diesen Reichtum rein materiell verstehen, während in Korea auch sozialer Status, das Wohlergehen der Kinder und andere immaterielle Werte zählen. Die Finanzskandale von US-Fernsehpredigern hätten die Schwächen einer rein materiell ausgerichteten Reichtumsverständnisses deutlich gezeigt.

 

Einige koreanische Theologen aus dem Kreis der Vertreter des „Wohlstandsevangeliums“ sind nach dem gründlichen Studium der Bibel zur Erkenntnis gelangt, dass es eine notwendige Verbindung zwischen Reichtum und der Hilfe für Arme und Schwache gibt. Auch die Thematik der sozialen Gerechtigkeit wird aufgegriffen. Allerdings, solche Einsichten werden von einem sehr großen Teil der Anhänger des „Wohlstandsevangeliums“ nicht geteilt.

 

An der Seite von Donald Trump

 

Inzwischen ist der Einfluss der Anhänger des „Wohlstandsevangeliums“ auch auf politischem Gebiet groß, besonders sichtbar in den USA und in Brasilien. Enge Vertraute der Präsidenten Trump und Bolsonaro vertreten dieses „Evangelium“. Die oppositionelle Politikerin Monica Francisco, die einer sozial engagierten evangelikalen Gemeinde angehört, lehnt die politische Instrumentalisierung des „Wohlstandsevangeliums“ durch Bolsonaro und dieses „Evangelium“ ab:

 

„Der Wunsch, sozial aufzusteigen, der Misere zu entfliehen, das greifen die auf mit ihrem Wohlstandsevangelium, das perfekt zum kapitalistischen System passt. Es geht nicht um Nächstenliebe, nicht darum, das Leben der Gemeinschaft im Hier und Jetzt zu verbessern oder gegen soziale Ungerechtigkeit zu kämpfen, sondern um den persönlichen, auch finanziellen Erfolg. Je mehr man besitzt, je mehr man verdient, umso höher steht man in der Gunst Gottes.“

 

In den USA berief Donald Trump nach seiner Wahl die Fernsehpredigerin Paula White offiziell zur geistlichen Beraterin des Präsidenten, und diese Anhängerin des „Wohlstandsevangeliums“ hat es im Gegensatz zu vielen anderen Beratern geschafft, ihren Platz im Weißen Haus über die ganze vier Jahre Amtszeit des Präsidenten zu behaupten. Sie nimmt nach eigener Aussage diese Aufgabe im göttlichen Auftrag wahr. Präsident Trump ist für sie ein „Gottgesandter“, und sie lässt alle wissen, dass ein Nein zu Trump ein Nein zu Gott wäre. Seine Kritiker verunglimpft sie als „Hexen“.

 

Das „Wohlstandevangelium“ ist auch eine probate Lehre, um den göttlichen Segen für den Multimillionär zu belegen. Paula White: „Donald Trumps ökonomischer Erfolg ist der beste Beweis dafür, dass Gott ihn segnet.“ Sie selbst kann auch – nach eigener Überzeugung - beweisen, dass Gott sie segnet, ist sie doch so reich, dass sie sich eine 3,5-Millionen-Dollar-Wohnung im Trump Tower in New York leisten konnte.

 

Als erfolgreiche Fernsehpredigerin versteht sie es, die Zuschauer für ein Evangelium zu begeistern, bei dem Jesus an der Seite der Gewinner in der Gesellschaft steht. Die Wohlhabenden und Reichen könnten sicher sein, dass Gottes Segen auf ihnen ruht.

 

Aber um diesen Segen zu erhalten, seien Spenden für die Tätigkeit der Fernsehpredigerin erforderlich. Gern zitiert sie dafür einen Bibelvers: „Ehre den HERRN mit deinem Gut und mit den Erstlingen all deines Einkommens, so werden deine Scheunen voll werden und deine Kelter von Wein überlaufen.“ (Sprüche 3,9-10) Gespendet werden kann online, und die Ehre des Herrn und das Konto der Fernsehpredigerin verschmelzen dabei auf wundersame Weise. Paula White: „Je mehr du gibst, umso mehr bekommst du zurück.“

 

Reich werden durch die Spenden der Armen

 

Für sehr viele Prediger des „Wohlstandsevangeliums“ gilt das Verdikt des US-amerikanischen Theologieprofessors W. Ward Gasque: „Es ist traurig, dass vielen armen Menschen, die häufig zum Publikum von Wohlstands-Evangelisten gehören, falsche ökonomische Hoffnungen angeboten werden … Ich frage mich, wie viele Menschen sich von Gott abgewandt haben, nachdem jene finanziellen Träume sich nicht erfüllt hatten, die Reichtums-Prediger ihnen in den Kopf gesetzt hatten.“

 

Arturo Piedra kommt zum Ergebnis, „die religiöse Weltanschauung der ‚Wohlstandstheologie‘, insbesondere ihre Vorstellung von Reichtum und Macht, ist vollkommen unbedenklich und unkritisch für das neoliberale Vorhaben, das gegenwärtig die Welt beherrscht“. 

 

Aber je hoffnungsloser die eigene Situation ist, desto mehr verfangen Botschaften wie diejenigen des brasilianischen Reichtums-Predigers Edir Maceo: „Bettler, Verelendete, Hochverschuldete wurden reich! Sie leben jetzt in Wohlstand!“ Zumindest er selbst und seine engsten Berater sind reich geworden und das ist richtig so für Edir Maceo, verkündet er doch: „Wer ein üppig reiches Leben führt, genießt die Segnungen des Herrn.“ Mit der Bibel lässt sich alles rechtfertigen, jedenfalls dann, wenn man sie verkürzt und verzerrt auslegt. Dagegen hilft eine mündige Christenheit, die die Bibel kennt und immun gegenüber einer selektiven Nutzung einzelner Bibelverse.

 

Manche Fernsehprediger werben so krude um Spenden, dass man Mühe hat, dies nicht für eine Satire zu halten. Hier ein Beispiel des Predigers Creflo Dollar (er heißt wirklich so): „Gib Gott etwas, aus dem er etwas machen kann. Was Du säst, wirst du ernten. Säst Du 10 Dollar, bekommst Du 100 zurück. Säst Du 100, bekommst Du 1000 Dollar zurück.“

 

Vor einigen Jahren sollten die Zuschauerinnen und Zuschauer ihre Spenden dafür geben, dass er sich einen größeren Privatjet kaufen konnte. Und für solche Spenden gibt es laut Creflo Dollar sogar eine Erfolgsgarantie, denn für Gebete, die mit Spenden bekräftigt werden, gelte, dass Gott „keine andere Wahl hat, als unsere Gebete zu erhören“.

 

 

Man täusche sich nicht: Das ist keine skurrile Ausnahmeerscheinung. Die in Weimar erscheinende „Neue Kirchenzeitung“ veröffentlichte im Mai 2018 einen Beitrag des tansanischen lutherischen Pastors Gwakisa Mwaipopo über das „Wohlstandsevangelium“ in seiner Heimat. Angesichts des wirtschaftlichen Drucks in den rasch wachsenden Städten stehen viele Menschen vor vielfältigen gesundheitlichen, finanziellen und spirituellen Problemen. Propheten, Apostel, Pfarrer und Lehrer des Wortes Gottes sprechen diese Menschen an und motivieren sie zur Gründung von Gemeinden:

 

„Gegenwärtig gibt es eine enorme Zunahme von neuen Kirchen … Die neuen Kirchen sind eher kommerzielle Einrichtungen als Einrichtungen des Glaubens, der Schwerpunkt ihrer Unterweisung liegt auf der Aufforderung, Geld zu spenden. Es wird gelehrt, man könne durch Spenden Gott dazu bringen, dem Geber Heilung und Reichtum zu verschaffen. Demzufolge werden Gebete nicht erhört, wenn sie nicht mit Spenden der Betenden und Bittenden einhergehen.“

 

© Frank Kürschner-Pelkmann